Interview mit einem Gast

Professor Dr. Hiroo Sono (Universität Hokkaido, Sapporo, Japan)

1. April 2019

Hiroo Sono ist Professor für Rechtswissenschaften an der Universität Hokkaido in Sapporo, Japan. Vor seiner Berufung an die juristische Fakultät der Universität Hokkaido im Jahr 2004 war er Associate Professor an der Universität Kyushu und an der Universität Kanazawa. Er ist Absolvent eines Masterstudiengangs (LL.M.) an der University of Michigan Law School, wo er auch Visiting Scholar war. Von 2006 bis 2008 war er Berater in der Zivilrechtsabteilung des japanischen Justizministeriums. Er ist Gründungsmitglied des CISG Advisory Council.

Was ist Ihr aktuelles Forschungsgebiet?

Professor Hiroo Sono (Universität Hokkaido, Sapporo, Japan)

Ich beschäftige mich mit dem Prozess der Privatrechtsvereinheitlichung. Es gibt sowohl auf globaler als auch auf regionaler Ebene Bestrebungen, Recht zu harmonisieren, die jedoch nicht immer erfolgreich sind. Neben der Frage, wie wünschenswert die mit den Harmonisierungsinstrumenten jeweils verbundenen Regeln sind, untersuche ich, wie der Erfolg beziehungsweise Misserfolg eines Instruments durch den ihm zugrundeliegenden Prozess beeinflusst wird – von der Wahl des Gegenstandes und seiner inhaltlichen Ausgestaltung über die Umsetzung und Anwendung bis hin zu der Phase, in der Anpassungen und Reformen notwendig werden. Außer internationalen Abkommen und nationalem Recht erforsche ich auch die Funktionsweise privater Normsetzung, manchmal auch Soft Law genannt, wo diese geschäftliche Transaktionen beeinflusst.

Ein anderes Gebiet, auf das ich mich derzeit konzentriere, ist vergleichendes Vertragsrecht mit Blick auf das neue japanische Zivilgesetzbuch, das 2020 in Kraft tritt. Es wurde nicht nur von globaler Rechtsvereinheitlichung sondern auch von innerstaatlichen Normen zum Vertragsrecht, wie etwa der deutschen Schuldrechtsreform, wesentlich beeinflusst. Da ich mit dem Beitritt Japans zum UN-Kaufrecht (CISG) befasst war und auch Mitglied des CISG Advisory Council (CISG-AC) bin, möchte ich zu einer Auslegung des neuen japanischen Vertragsrechts beitragen, die sowohl mit dem CISG als auch mit den UNIDROIT-Grundregeln für internationale Handelsverträge im Einklang steht.

Warum haben Sie das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg für Ihren Forschungsaufenthalt gewählt?

Nicht nur ist das Institut für seine rechtsvergleichende Forschung hoch angesehen – ich muss auch sagen, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen in Japan und im Ausland, die bereits hier waren, es mir empfohlen haben. Vor zwei Jahren, als ich an einer Konferenz in Frankfurt teilgenommen hatte, kam ich zu einem ersten kurzen Besuch ans Institut und war sofort überzeugt. Diesmal bin ich vier Monate lang hier und hoffe sehr, in Zukunft wiederzukommen.

Wie sind Ihre Eindrücke?

Vor allem ist da diese phantastische Bibliothek. Als ich hier mit meiner Forschung begonnen habe, war ich beeindruckt von der Art und Weise, wie die Sammlung aufgebaut ist. Ich habe mich sehr gefreut, einen eigenen Bereich nur für die Privatrechtsvereinheitlichung zu finden. Die Segmentierung nach Ländern ist ebenfalls außergewöhnlich. Ich glaube nicht, dass es viele juristische Bibliotheken auf der Welt gibt, die sich mit der Vielfalt, die man hier findet, messen können. Außerdem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek sehr hilfsbereit. Mit anderen Worten: Eine One-Stop Forschungseinrichtung.

Ganz offensichtlich zieht die Vielfalt der Materialien ein vielfältiges Spektrum akademischer Forscherinnen und Forscher an. Außerdem sorgt das Institut einfach dafür, dass sich alle willkommen fühlen. Regelmäßige „Coffee & Law” Events bieten Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen in zwanglosem Setting zu treffen. Besonders wertvoll fand ich die Möglichkeit, so viele aufstrebende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennenzulernen. Ich habe mehrmals die „Aktuelle Stunde” besucht und fand die Begeisterung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beachtlich. Das Workshop- Format ist wirklich anregend und die kollegiale Atmosphäre bietet genügend Raum, um unterschiedliche Perspektiven auf höchst konstruktive Art zu diskutieren.

Konnten Sie auch Hamburg genießen?

Hamburg ist eine wunderschöne Stadt. Da ich den Winter hier verbracht habe, habe ich die Weihnachtsmärkte miterlebt. Das Wetter war im Vergleich zu meiner Heimatstadt Sapporo mild und so habe ich es genossen, entlang des Alsterufers spazieren zu gehen. Ich habe auch einen Ausflug nach Lübeck gemacht, einer weiteren Hansestadt. Aus der Sicht eines Rechtswissenschaftlers ist die Geschichte der Kaufleute, die Wege fanden, unabhängig vom Staat Handel zu treiben, schon faszinierend.

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