Die Institutsbibliothek: Labor und Kommunikationsraum für die internationale Spitzenforschung

Die Institutsbibliothek: Labor und Kommunikationsraum für die internationale Spitzenforschung

Forscher*innen aus der ganzen Welt kommen nach Hamburg, um die einzigartige Sammlung der Bibliothek des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht zu nutzen. Für unzählige Schriftwerke, darunter viele Doktorarbeiten und Habilitationen, war und ist sie Wissens- und Inspirationsquelle. Als Präsenzbibliothek ist sie auch ein Treffpunkt für den fachlichen Austausch.

Mit einer über 560.000 Medieneinheiten umfassenden Sammlung verfügt das Institut über die größte Spezialbibliothek Europas zur Rechtsvergleichung und zum internationalen Privatrecht. Über 1000 Gastwissenschaftler*innen nutzten sie jedes Jahr, bis die Corona-Pandemie es Anfang 2020 notwendig machte, den Betrieb auf ein Minimum zu reduzieren. „Das bedeutete nicht nur, dass wir viel weniger Gäste als sonst aufnehmen konnten, sondern stellte uns auch vor die Aufgabe, den Wissenschaftler*innen aus unserem Haus, die ihren Arbeitsplatz ins Homeoffice verlegt hatten, neue Nutzungsmöglichkeiten anzubieten“, sagt Claudia Holland, die die Bibliothek seit 2016 leitet.

Neue Serviceanforderungen

Bisher hatte das Prinzip der reinen Präsenzbibliothek auch für die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen des Instituts gegolten. Eine Ausleihe außer Haus war grundsätzlich nicht vorgesehen. Mit der pandemiebedingten Anordnung, nur in Notfällen ans Institut zu kommen, musste ein neuer Modus gefunden werden. Schnell wurde ein Ausleihverfahren eingerichtet, mit dem bis zu zehn Bände ins Homeoffice mitgenommen werden dürfen.

Claudia Holland, Leiterin der Institutsbilbliothek

Unverzichtbar war außerdem eine Ausweitung des Angebots zur Nutzung elektronischer Medien. „Nachdem uns die Verlage mit großzügig erweiterten Zugangsmöglichkeiten zu ihren elektronischen Publikationen und Datenbanken über den ersten Lockdown hinweggeholfen hatten, haben wir im Lauf des Jahres 2020 noch Digitalausgaben von über 2000 monografischen Einzeltiteln sowie etliche zusätzliche Datenbanklizenzen erworben“, berichtet Holland.

Das rund 20-köpfige Bibliotheksteam begegnet den neuen Anforderungen mit Tatkraft und Lösungskompetenz: „Wir sind das Labor, das unsere Wissenschaftler*innen brauchen, um kreativ und produktiv zu sein. Also müssen wir auch alles in unseren Möglichkeiten stehende tun, damit Forschung stattfinden kann.“

Digitaler Wandel

Schon seit geraumer Zeit engagieren sich die Bibliothekar*innen des Instituts bei der Umsetzung des digitalen Wandels im Bereich der Informationsverwaltung und -vermittlung – sowohl im Bereich der Anschaffung und Katalogisierung von Medien als auch in der Gestaltung der Nutzungsangebote. „Juristisches Wissen veraltet nicht“, sagt Holland. „Auch wenn die Anschaffung digitaler Publikationen unsere Magazinflächen entlastet, müssen wir hier mit Bedacht vorgehen und sicherstellen, dass die digitalen Daten und Medien auch auf lange Zeit für die Wissenschaftler*innen verfügbar bleiben und lückenlos vorgehalten werden.“

Wird in der Rechtswissenschaft mehr als in anderen Disziplinen bedrucktes Papier gegenüber digitalen Medien bevorzugt? Die Bibliotheksleiterin, die vor ihrer jetzigen Tätigkeit viele Jahre die Bibliotheken für Rechtswissenschaft und Psychologie der Universität Leipzig betreute, beobachtet einen zum Teil generationsbedingten Wandel. Inzwischen, so stellt sie fest, arbeiten aber nicht nur jüngere Wissenschaftler*innen gern und viel online: „Schließlich ist es am Bildschirm viel einfacher, von der Zeitschrift zum Kommentar zu wechseln und zwischendurch einen Blick auf die Inhaltsverzeichnisse diverser Monografien zu werfen, als mit Stapeln aufgeschlagener Hefte und Bücher zu hantieren.“

Wissensort und Kommunikationsraum

Gefragt nach ihren Erinnerungen an Forschungsaufenthalte am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht kommen ehemalige Gäste häufig ins Schwärmen. Gelobt werden neben der hohen Qualität des Bestandes besonders die fachliche Beratung und Betreuung, aber auch die freundliche Atmosphäre und Kommunikationskultur. Viele Wissenschaftler*innen, die einmal hier geforscht haben, kommen immer wieder.

Leseecke im neugestalteten Multimediasaal

Für Aufenthaltsqualität sorgen nicht zuletzt auch die nutzerfreundlich gestalteten Räumlichkeiten mit einem großzügig angelegten Garten sowie einer Terrasse im Innenhof. Sie bieten viel Licht und Ruhe, gepaart mit Treffpunkten zum persönlichen Austausch. Ein Magnet für Mitarbeiter*innen des Instituts und Gäste ist seit langem das Café Max. Einige Flächen wurden 2020/21 umgebaut und modernisiert. Neu hinzugekommen sind neben einer neuen Infotheke und bequemen Sitzgelegenheiten eine Zeitungs-Leseecke und eine Lounge mit Blick ins Grüne.

„Die digitale Transformation bedeutet keineswegs das Ende der Präsenzbibliothek“, ist Claudia Holland sich sicher. „Schließlich müssen sich unsere Bibliotheksgäste auch zur Lektüre elektronischer Publikationen oder zum Abruf von Datenbanken bei uns aufhalten. Es liegt uns daher am Herzen, dass sie sich hier wohl fühlen.“

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht