Melbourne Visiting Fellow Wilson Lui im Gespräch

15. Juni 2026

Wilson Lui hat in Hong Kong und Cambridge Rechtswissenschaften sowie in Oxford Linguistik studiert, bevor er Doktorand an der Melbourne Law School wurde. Er war bereits in Hong Kong und Melbourne als Dozent tätig und ist außerdem Research Fellow am Centre for Private Law der Universität Hong Kong. Im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen der Melbourne Law School und Max Planck Law forschte er im April und Mai 2026 am Institut zum Thema Staatenimmunität.

Lui hat in den Bereichen internationales Privatrecht (IPR) und Schiedsverfahrensrecht bereits mehrere Arbeiten, darunter Bücher und Zeitschriftenartikel, publiziert. In seinem Dissertationsprojekt denkt er die Staatenimmunität, die traditionell ein Grundsatz des internationalen öffentlichen Rechts ist, als eine Fragestellung des IPR neu. „Ich möchte zeigen, dass sich Staatenimmunität, so wie sie heute praktiziert wird, am besten in einem größeren Rahmen aus Rechtsprechung sowie der Anerkennung und Vollstreckung von Gerichtsurteilen und Schiedssprüchen verstanden und analysiert werden kann. Durch die Untersuchung der Grundlagen und Grenzen der Staatenimmunität hoffe ich, mittels IPR mehr konzeptionelle Klarheit für ihre zeitgemäße Anwendung zu schaffen.“

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung ist die Entwicklung des IPR in Asien. „Es gibt Bereiche im asiatischen IPR, auf die westliche Literatur keine hilfreichen Antworten geben kann. Dazu gehören beispielsweise interregionale Kollisionsnormen innerhalb Chinas sowie Kollisionsfragen, die sich aus den sehr pluralistischen asiatischen Familienrechten ergeben.“ Es bedarf, so Lui, kollisionsrechtlicher Lösungen, die den besonderen politischen, sozialen und kulturellen Kontexten Asiens gerecht werden. „Eine wichtige Rolle dabei spielen die neu entstandenen asiatischen Kodifizierungen im IPR sowie die wachsende Zahl an asiatischem Vergleichsmaterial und wissenschaftlicher Literatur.“

In Hamburg konnt er seine Analyse in beiden Themengebieten vertiefen. „Ich bin sehr froh über die Möglichkeit, am Institut forschen zu können. Bevor ich hierhergekommen bin, hatte ich schon viel über die Bibliothek gehört. Die Auswahl an Literatur und Quellen, die ich hier gefunden habe, ist wirklich beeindruckend. Außerdem konnte ich mich mit Forschenden des Instituts und anderen Gastwissenschaftler*innen austauschen, was für meine Arbeit ebenfalls sehr wertvoll war.“

Seine Forschung betreibt Lui in seinen drei Muttersprachen Kantonesisch, Mandarin und Englisch. Zudem hat er Kenntnisse in weiteren europäischen Sprachen, unter anderem Französisch und Deutsch, erworben. Schon lange interessiert ihn die Bedeutung von Sprache im Recht. Nach seinem rechtswissenschaftlichen Studium hat er daher einen Master in Linguistik, Philologie und Phonetik absolviert. „Recht wird durch Sprache geschaffen, ausgelegt und angewendet. Die Art und Weise, wie wir rechtliche Konzepte sprachlich ausdrücken, kann entscheidend beeinflussen, wie Streitfälle aufgebaut, verargumentiert und gelöst werden“, sagt Lui, der auch Lehrveranstaltungen zum Thema Rechtssprache abhält. „Das zweisprachige Rechtssystem Hongkongs wirft schwierige Fragen darüber auf, wie rechtliche Konzepte zwischen Englisch und Chinesisch übersetzt und angepasst werden. Diese Themen sind für mich eine ständige Quelle wissenschaftlicher Anregung.“






Bildnachweis: 
© Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht / Marlena Staak

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