Aygun Mammadzada, Konrad-Zweigert-Stipendiatin 2019, im Gespräch

15. November 2019

Aygun Mammadzada ist Doktorandin am Institute of Maritime Law an der Southampton Law School der Universität Southampton. Nach ihrem mit Auszeichnung abgeschlossenen Studium an der Staatlichen Universität Baku 2013 arbeitete sie bei verschiedenen Anwaltskanzleien und erwarb 2015 einen Masterabschluss der Universität Southampton in internationalem Wirtschaftsrecht.

Nach ihrer Tätigkeit als Juristin im Bildungsministerium von Aserbaidschan erhielt sie 2017 ein Stipendium der Southampton Law School, um ihre Doktorarbeit zum Thema “Provision of Party Autonomy by The Hague Convention on Choice of Court Agreements 2005: Comparative analysis between the international and European approaches” zu erstellen. Neben der Forschung für ihre Promotion ist Aygun Mammadzada derzeit auch als Redaktionsleiterin der von Cambridge University Press herausgegebenen Zeitschrift Global Constitutionalism tätig.

Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt während Ihrer Zeit als Konrad-Zweigert-Stipendiatin?

In der Forschung für meine Doktorarbeit unterziehe ich die Wirksamkeit der vom Haager Übereinkommen über Gerichtsstandsvereinbarungen geregelten Parteiautonomie einer kritischen Analyse. Auf Basis einer Untersuchung der vorhandenen Regelungslücken möchte ich Vorschläge dafür entwickeln, wie dieses universale Rechtsinstrument potentiell erfolgreicher eingesetzt werden kann. Es gibt zwar diverse Studien zum Haager Übereinkommen, und es wurde umfangreiche Literatur über die Parteiautonomie verfasst, doch nirgendwo darin findet sich eine kritische Analyse des Übereinkommens oder eine Darlegung der Prinzipien, auf denen die internationalen und die europäischen Ansätze beruhen. Mein Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die hinsichtlich der Parteiautonomie mehr Wirksamkeit und Rechtssicherheit bieten, insbesondere mit Blick auf die Bedeutung des Übereinkommens nach dem Brexit.

Warum haben Sie das Institut für Ihre Forschungsarbeit gewählt?

Die Grundlagenforschung und die immensen wissenschaftlichen Leistungen des Instituts sind in der globalen Welt des internationalen Privatrechts hoch angesehen. Die besondere Komponente meiner Forschung ist der grenzüberschreitende Bezug, da ich Fragen des internationalen Privatrechts analysiere, die nationale Grenzen überschreiten. Während meiner bisherigen Forschungsarbeit habe ich die Publikationen von Wissenschaftler*innen des Instituts verfolgt und wollte deshalb Teil der vielfältigen Community seiner Gastwissenschaftler*innen werden und außerdem Zugang zu den umfangreichen Sammlungen der Bibliothek erhalten. Ich wusste, dass es hier großartige Möglichkeiten gibt, Kontakte zu knüpfen und mich mit hoch anerkannten Expert*innen und Wissenschaftler*innen des internationalen Privatrechts auszutauschen.

Wie war es für Sie, in Hamburg zu leben und am Institut zu arbeiten?

Es gibt nichts Besseres, als umgeben von einer wirklich internationalen Atmosphäre internationale Rechtsfragen zu erforschen und dabei das Leben in einer kosmopolitischen und multikulturellen Stadt zu genießen. Neben den umfangreichen wissenschaftlichen Resourcen des Instituts ist auch die Arbeitsumgebung hier mit hervorragenden modernen Mitteln ausgestattet. Die Mitarbeiter*innen sind sehr freundlich, aufmerksam und hilfsbereit. Außerdem führt das Institut Fachwissen und Menschen aus der ganzen Welt zusammen, wodurch ich neue Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen konnte. Das reiche kulturelle und historische Erbe Hamburgs in markanter Verbindung mit seiner modernen Architektur und seinen Musikstätten hat mich tief beeindruckt. Am besten gefällt mir, dass es praktisch unmöglich ist, sich den Wasserwegen der Kanäle und des Hafens zu entziehen. Ich verstehe daher vollkommen, warum Hamburg kürzlich im “Glücksatlas” der Deutschen Post den zweiten Platz unter den deutschen Bundesländern eingenommen hat. Deshalb hoffe ich auch, dass mein Berufs- und Lebensweg mich irgendwann wieder hierher bringen wird.

Gibt es einen Ort am Institut, den Sie besonders gern mögen?

Fragen Sie mich lieber, ob es einen Ort am Institut gibt, den ich nicht gerne mag! Wenn ich einen besonderen Ort nennen soll, dann wäre es die Bibliothek. Sie ist zweifellos das verblüffendste Labyrinth, das ich je gesehen oder durchwandert habe. Jedes Mal wenn ich mich darin verliere und mich wieder zwischen den Rädern der Regale zurechtfinde, finde ich auch zu mir selbst.

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