Interview mit einem Gast

Professor Dr. Natalya Pankevich (Russische Akademie der Wissenschaften, Russland)

1. März 2017

Natalya Pankevich ist an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Fachgebiet „Theory of Law“. Während Ihres Aufenthaltes am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht arbeitete sie zur Entwicklung des ukrainischen Privatrechts im Kontext seiner fortschreitenden Europäisierung, vor allem mit Blick auf das Assoziierungsabkommen von 2014 zwischen der EU und der Ukraine.

Frau Pankevich, woran forschen Sie gerade?

Professor Dr. Natalya Pankevich (Moskau, Russland)

Im Rahmen des Humboldt-Stipendiums kann ich meine Forschung zum Thema “Sovereign State Transformation and its Implications upon Legal Regimes” vertiefen. Es ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das sowohl politikwissenschaftliche als auch rechtswissenschaftliche Aspekte beinhaltet. Ich analysiere dabei, wie sich Rechtsordnungen verändern, wenn sich die Struktur eines souveränen Staates verändert bis hin zu dessen Zerfall. Dabei untersuche ich, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Struktur des sozialen und rechtlichen Raums haben. Zudem erforsche ich, wie sich beispielsweise durch neu entstandene Institutionen politische und rechtliche Autoritäten verschieben. Dabei interessiert mich, wie dieser mehrdimensionale soziale Wandel sich auf Rechtsordnungen weltweit auswirkt. Wie entstehen beispielsweise supranationale und nichtstaatliche Formen von Regulierung? Wie könnte perspektivisch eine Annäherung von Rechtsordnungen aussehen? Hierfür untersuche und vergleiche ich, wie die Europäische Union, die USA oder die Russische Föderation ihre Rechtsordnungen an eine sich stetig ändernde institutionelle Umgebung angepasst haben.

Warum haben Sie das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht für Ihre Forschungsarbeit gewählt?

 In meinen Augen ist das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht eine der führenden Einrichtungen für rechtsvergleichende Forschung mit einer sehr ausgeprägten Expertise von europäischen und regionalen Rechtsordnungen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich sehr intensiv mit Rechtsordnungen, die im Wandel sind, und den damit einhergehenden Transformationsprozessen. Außerdem schätzen sie die rechtliche Entwicklung in Europa und weltweit wissenschaftlich ein. Nirgendwo sonst wird so intensiv an Rechtsordnungen geforscht, die im Wandel sind. Darüber hinaus ist das Institut weithin bekannt für die hier geleistete Forschungsarbeit im Bereich der Rechtstheorie und Methodik. Diese Vielschichtigkeit ist gerade für meine Forschung sehr hilfreich. Dass ich mich am Institut mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern austauschen kann und gleichzeitig die umfassende Literatur in der Bibliothek nutzen kann, hilft mir bei meiner Forschungsarbeit sehr.

Was zeichnet in Ihren Augen die Bibliothek am Institut aus?

 Die Erfahrung, die ich hier am Institut mache, unterscheidet sich grundlegend von den Erfahrungen, die ich zuvor an Bibliotheken vieler europäischer Universitäten oder in den USA gemacht habe. Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht besitzt eine herausragende Bibliothek mit einer exzellenten Sammlung rechtswissenschaftlicher Bücher, Magazine, elektronischer Hilfsmittel und Zugängen zu verschiedensten Datenbanken. Jede Woche werden neue Bücher in die Bibliothek aufgenommen und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sich laufend über neue Publikationen informieren. Die regionalen und thematischen Sammlungen sind sehr umfangreich. Die Bibliothek ist auch technisch sehr gut ausgerüstet und bietet einen schnellen Zugang zu allen Materialien, die man sucht oder braucht. Zudem bietet sie ein sehr angenehmes Klima, um konzentriert sein Forschungsprojekt voranzutreiben.

Sie sind ja ein regelmäßiger und gern gesehener Gast am Haus. Was zieht Sie jedes Mal zurück?

Über die Zeit haben sich enge Verbindungen zu den Forscherinnen und Forschern am Institut entwickelt und ich freue mich sehr und bin stolz darauf, dass ich gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Forschungsartikel veröffentlichen konnte oder zu Büchern und Sammelbänden, die vom Institut herausgegeben wurden, beitragen konnte. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut sind sehr offen in der Zusammenarbeit und teilen gerne ihr Wissen. Es herrscht eine sehr einladende Atmosphäre, um über Forschungsthemen zu sprechen oder sich auszutauschen. Außerdem kommen viele Gastwissenschaftler aus der ganzen Welt ans Institut. Das hilft ungemein, um Netzwerke auch zu anderen Institutionen aufzubauen. Ich möchte auch das sehr intensive akademische Leben am MPI hervorheben. Jede Woche gibt es Seminare, Arbeitsgruppen, formelle oder informelle Treffen, Vorträge, Konferenzen oder Foren, die eine enorme Bandbreite an Themen abdecken.

Gibt es einen Platz am Institut, an dem Sie sich besonders gerne aufhalten?

Es gibt einen sehr schönen Innenhof. Ein toller Ort, um sich im Sommer in die Bücher zu vertiefen.

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