Der Nachfolger. Leben, Werk und Wirken von Ernst Heymann (1870-1946)

23. März 2026

Von 1937 bis 1946 leitete Ernst Heymann als Nachfolger Ernst Rabels das Kaiser-Wilhelm-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht. Anlässlich dessen 100-jährigen Gründungsjubiläums zeichnet Reinhard Zimmermann, Direktor emeritus des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht, das aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut hervorgegangen ist, Heymanns Leben, Werk und Wirken nach.

Die Berufung Ernst Heymanns zum Direktor des im Berliner Stadtschloss ansässigen Kaiser-Wilhelm-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht im Jahr 1937 erfolgte, nachdem sein Vorgänger Ernst Rabel wegen seiner „nicht-arischen“ Abstammung im Sinne des nationalsozialistischen Gesetzgebers zur Niederlegung seines Amts gezwungen worden war. Vor demselben Hintergrund war Heymann Rabel bereits 1933 in das Amt des Dekans der Juristischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität gefolgt.

Wer war Ernst Heymann? Zur Beantwortung dieser Frage zieht Zimmermann neben vielen historischen Quellen auch Heymanns Tagebücher heran, soweit sie erhalten sind. Er kommt zum Ergebnis, dass der Nachfolger Rabels kein Anhänger des Nationalsozialismus war, aber auch nicht zu dessen Gegnern zählte. Er war in der Kaiserzeit sozialisiert worden und dachte obrigkeitsstaatlich. Dass er ein Mann mit ausgleichender Persönlichkeit sowie großem Organisationstalent war, prädestinierte ihn für die Übernahme immer neuer einflussreicher Positionen im Wissenschaftssystem des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus. Doch konnte er sich weder an der Forschungsleistung noch der internationalen Ausstrahlung seines Vorgängers Rabel messen.  

Als Institutsdirektor hatte er im institutionellen Umfeld einer im nationalsozialistischen Sinne umgestalteten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu agieren. Ab 1940 bemühte er sich, die wissenschaftliche Forschung und die Gutachtentätigkeit des Instituts als kriegswichtig darzustellen, um dessen Fortbestand zu sichern. 1946 starb er in Tübingen, wohin das Institut 1944 evakuiert worden war, um seine Bibliothek vor der Zerstörung durch Bombardements zu retten. Zu seiner Zeit hoch angesehen, ist Heymann heute weitgehend vergessen.

Die Publikation ist auch als Online-Publikation im Open Access erschienen.

Reinhard Zimmermann, Der Nachfolger – Leben, Werk und Wirken von Ernst Heymann (1870-1946) (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 351), Klostermann, Frankfurt a. M. 2026, 190 S.






Bildnachweis:
 © Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht / Bastian Kurzynsky

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