Kindzentriertes Adoptionsrecht
Projektzeitraum: 2026 - 2029
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstand sich Adoption vorwiegend als Mittel zu dem Zweck, kinderlosen Ehen zu Nachkommen zu verhelfen und das familiäre Vermächtnis zu bewahren. Diesen auf die Eltern ausgerichteten Standpunkt nimmt der Gesetzgeber nun nicht mehr ein; stattdessen soll das Kind im Mittelpunkt stehen. Hier setzt das Forschungsvorhaben an. Es beruht auf der Prämisse, dass dieser Paradigmenwechsel nur unvollständig vollzogen ist.
Um diese These zu überprüfen, wird zunächst die historische Entwicklung des deutschen Adoptionsrechts aus der Perspektive des Kindes rekonstruiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden durch anschließenden Rechtsvergleich mit den Adoptionsregimen Englands und Wales sowie Australiens in einen internationalen Kontext gestellt. Dies soll es ermöglichen, Art und Ausmaß der Kindzentrierung im deutschen Recht kritisch zu reflektieren und weiterzudenken. Die Untersuchung hat damit zum Ziel, Antworten auf die Fragen zu finden: Wie haben sich Rolle und Rechte des Kindes im Adoptionsrecht verändert? Und wie könnte ein Adoptionsrecht aussehen, welches das Versprechen vom Primat des Kindes konsequenter einlöst?