
Chinesische Zivilrechtskodifikation
Die Rechtsentwicklung in der Volksrepublik war nach der Phase der Kulturrevolution zunächst durch den Aufbau einzelner Rechtsmaterien geprägt. Durch den Erlass einer Vielzahl von Einzelgesetzen entstand schrittweise ein differenziertes zivilrechtliches Normensystem. Mehrere über Jahrzehnte andauernde Kodifikationsvorhaben mündeten schließlich in die Verabschiedung des Zivilgesetzbuches (民法典) durch den Nationalen Volkskongress am 28. Mai 2020, das am 1. Januar 2021 in Kraft trat und die zuvor geltenden Einzelgesetze zusammenführte.
Die chinesische Rechtsordnung ist dabei weiterhin in erheblichem Maße durch die Rezeption kontinentaleuropäischer, insbesondere deutscher zivilrechtlicher Konzepte geprägt. Diese rechtsvergleichende Konstellation eröffnet ein besonderes Untersuchungsfeld für die Forschung am Kompetenzzentrum, insbesondere im Hinblick auf die Anpassung rezipierter Rechtsfiguren and die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Volksrepublik China sowie ihre praktische Anwendung und Fortentwicklung.
Das ZGB bildet nunmehr den zentralen Referenzrahmen der Forschung. Das Kompetenzzentrum begleitet seither dessen Konkretisierung durch Rechtsprechung und Folgegesetzgebung.