Geschichte des Kompetenzzentrums Lateinamerika

Das Kompetenzzentrum Lateinamerika kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Ursprünglich Teil des Spanien-Referats, wurde es als selbständiges Referat 1971 von Jürgen Samtleben nach seiner Rückkehr von einem Postgraduiertenstudium an der Universidade de São Paulo begründet. 

Der Aufbau des Referats war verbunden mit einem systematischen Ausbau der Bibliotheksbestände zum lateinamerikanischen Recht, die bis heute das Institut zu einem Anziehungspunkt für in- und ausländische Gastwissenschaftler*innen – auch aus Lateinamerika – machen. Samtleben widmete sich vor allem der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Internationalen Privatrechts Lateinamerikas und begleitete den historischen Geburtsprozess des Mercosur intensiv. Eine Auswahl seiner wichtigsten Forschungsarbeiten wurde 2010 in einem Sammelband veröffentlicht. Ein weiterer 2023 erschienener Band enthält in systematischer Ordnung seine neueren Arbeiten zum Internationalen Privat- und Prozessrecht der lateinamerikanischen Staaten.

In der Nachfolge Jürgen Samtlebens übernahm 2004 Jan Peter Schmidt das Referat, das er zu einem Kompetenzzentrum ausbaute. Schmidt stellte die Erforschung der Privatrechtstradition der lateinamerikanischen Länder und ihrer Beeinflussung durch europäische Vorbilder in den Mittelpunkt seiner Forschung. Seine 2009 vorgelegte Dissertation zur Zivilrechtskodifikation in Brasilien befasst sich intensiv mit der 2002 erfolgten vollumfänglichen Novellierung des brasilianischen Zivilgesetzbuches und ist die erste umfassende Arbeit zu diesem Thema in deutscher Sprache. Seit 2011 verfasste Schmidt verschiedene Studien zum Erbrecht, Familienrecht und Vertragsrecht der lateinamerikanischen Staaten.

Von 2012 bis 2014 lag die Leitung bei Tilman Quarch. Er befasste sich unter anderem mit brasilianischem Patentrecht sowie Investitionsschutzrecht und wirkte an der rechtsvergleichenden Aktualisierung des Hauptwerkes des brasilianischen Juristen Pontes de Miranda mit.

Von 2015 bis 2016 betreute Anton Geier übergangsweise das Kompetenzzentrum.

Von 2017 bis 2026 leitete Denise Wiedemann das Kompetenzzentrums. Ihre Forschung trug zur Weiterentwicklung der Rechtsvergleichung in Lateinamerika bei, insbesondere in den Bereichen des Internationalen Privatrechts sowie des Familien-, Erbrechts und Grundstücksrechts. Einer ihrer wichtigsten Beiträge war eine umfassende vergleichende Untersuchung der Frühehen in der Region und deren Schnittstellen mit dem internationalen Privatrecht.

Im September 2026 übernahm Luana Matosa die Leitung des Kompetenzzentrums.

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