Feierlicher Auftakt: 100 Jahre Max-Planck-Institut für Privatrecht

20. Mai 2026

•    Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal würdigt Verdienste des Instituts
•    Direktor emeritus Reinhard Zimmermann beleuchtet Institutsgeschichte 1937–1946
•    Fragenkampagne „Das alles ist Privatrecht?!“ lädt zum öffentlichen Dialog ein

Am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht fand am Montag, den 18. Mai 2026 die offizielle Auftaktveranstaltung zum 100. Institutsjubiläum statt. Mit ihren Grußworten eröffneten Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Hansestadt Hamburg, und der Geschäftsführende Institutsdirektor Ralf Michaels feierlich das Jubiläumsjahr.

Maryam Blumenthal: Welche Rolle spielt Privatrecht für die Demokratie?

Die Senatorin Blumenthal ging in ihrer Ansprache der Bedeutung des Privatrechts für eine funktionierende Demokratie nach: „Demokratie heißt, über das eigene Leben entscheiden zu können. Privatrecht ist das rechtliche Fundament dieser Selbstbestimmung.“ Mit Blick auf die Forschungsfragenkampagne „Das alles ist Privatrecht?!“, die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurde, betonte sie: „Das sind die Fragen, an denen entschieden wird, welche Gesellschaft wir sein wollen.“ Sie forderte die Wissenschaftler*innen auf: „Stellen Sie weiter diese unbequemen Fragen!“

Ralf Michaels: Recht als Spiegelbild der Gesellschaft

Auch Institutsdirektor Ralf Michaels hob hervor, dass die Forschung des Instituts schon immer untrennbar mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen verwoben gewesen sei. Hierfür blickte er auf die Anfangsjahre der Institutsgeschichte zurück – die Zwanziger Jahre in Berlin, eine Zeit der „Aufbruchsstimmung“, zugleich geprägt von den „Vorboten des Niedergangs“. Er stellte fest: „Es war in dieser politischen Situation gar nicht möglich, Privatrecht abstrakt zu betreiben, wie es unserer Disziplin manchmal vorgeworfen wird. Schon Gründungsdirektor Ernst Rabel behandelte Recht immer als Antwort auf gesellschaftliche Probleme.“

Einblicke in die Institutsgeschichte

Kern der Veranstaltung war ein Vortrag von Direktor emeritus Reinhard Zimmermann über Leben, Werk und Wirken des zweiten Institutsdirektors Ernst Heymann (1870–1946). Dieser hatte 1937 die Nachfolge Ernst Rabels angetreten, der unter nationalsozialistischer Herrschaft zur Niederlegung seines Amts genötigt worden war. Der Vortrag beleuchtete auch Aspekte der Institutsgeschichte im Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg. Weitere Einblicke bot den Besucher*innen ein neu eröffneter Zeitstrahl im Erdgeschoss des Instituts, der unter www.mpipriv.de/zeitstrahl auch in digitaler Form zugänglich ist.

Das alles ist Privatrecht?!

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung ging auch die Fragenkampagne „Das alles ist Privatrecht?!“ (www.mpipriv.de/fragen) zu 14 aktuellen Forschungsprojekten des Instituts an den Start. Wem gehört Afrika? Wer bestimmt mein Geschlecht? Kann mein Hund mich verklagen? Mit diesen und weiteren Fragen will das Institut im Jubiläumsjahr den öffentlichen Dialog über privatrechtliche Themen anregen. Vom 1.–30. Oktober 2026 werden die Fragen in Form einer Ausstellung im Hamburger Rathaus präsentiert. Auch beim Tag der offenen Tür des Instituts am 14. November 2026 werden sie eine Rolle spielen.

Über das Institut

Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht forscht seit 100 Jahren nach juristischen Antworten auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Seine Wissenschaftler*innen analysieren die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Rechtsordnungen im internationalen Vergleich, um daraus Lösungen für eine Fortentwicklung des Rechts zu entwerfen. Das Institut wurde 1926 als Teil der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es nach Tübingen evakuiert. 1956 zog es an seinen heutigen Standort in Hamburg.

Publikation zum Vortrag von Reinhard Zimmermann

Reinhard Zimmermann, Der Nachfolger – Leben, Werk und Wirken von Ernst Heymann (1870-1946) (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 351), Klostermann, Frankfurt a. M. 2026, 190 S.
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