Zeit im Recht.
Rechtliche Gedächtnisspeicher / Kotemporalität im Bodenrecht
Projektzeitraum: 2022-2026
Warum besteht das Gewohnheitsrecht in der afrikanischen Landverwaltung fort? In diesem Projekt wird die Hypothese überprüft, dass das Gewohnheitsrecht nicht deshalb fortbesteht, weil die Staaten schwach sind, sondern weil es in den rechtlichen Erinnerungen der Menschen verankert bleibt. Diese Erinnerungen fungieren als „rechtliche Gedächtnisspeicher” und bewahren die Logik früherer Rechtsordnungen neben den heutigen gesetzlichen Regelungen. Feukeu konzeptualisiert diese Koexistenz als „Kotemporalität”. Ausgehend von afrikanischen Philosophien der Zeit und ausgewählten Aspekten der Komplexitätstheorie untersucht das Projekt, wie sich zeitliche Schichten des Rechts durch alltägliche Praktiken des Landbesitzes und der Erbschaft reproduzieren. Dieser Ansatz formuliert die Bodenfrage in Afrika somit neu als ein Problem der zeitlichen Governance und nicht als institutionelles Versagen. Das Verständnis der Kotemporalität verdeutlicht, warum Harmonisierung und rechtliche Unterdrückung oft scheitern und eröffnet neue Wege für die Gestaltung von Reformen, die sich an den gelebten rechtlichen Zeitlichkeiten der Menschen orientieren. Das Projekt verbindet letztlich die rechtliche Zeit mit Fragen nach wirtschaftlichen Chancen, der Verschiebung von Machtverhältnissen und ökologischer Unsicherheit.
Literatur
Kwamou E. Feukeu, The future of land law is not customary, but is political: the diversity of value creation systems behind land, in: Anthony Diala, Jan Erk (Hrsg.), Handbook of Traditional Law and Governance, Oxford University Press (im Erscheinen).