Rechte auf eine Zukunft. Warum und wie Entwicklungsbedürfnisse nicht vorausgesetzt werden sollten

Projektzeitraum: 2020-2023, Wiederaufnahme 2027 

Globale Entwicklungsinstitutionen betrachten die Zukunft häufig als universellen Verpflichtungshorizont und schreiben Gemeinschaften vor, welche Ziele sie anstreben sollten. Marginalisierte Gemeinschaften hingegen mobilisieren die Zukunft unter ganz anderen Vorzeichen: von der Durchsetzung politischer Handlungsfähigkeit („Es gibt indigene Bevölkerungsgruppen in der Zukunft“) bis hin zur Rückeroberung wirtschaftlicher Narrative („Afrika ist die Zukunft“). In diesem Projekt werden die konzeptionellen Grundlagen und methodischen Implikationen dieser konkurrierenden Zukunftsvisionen untersucht. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Zukunftsvisionen selbst. Im Austausch mit Wissenschaftler*innen, Zukunftsforscher*innen und Aktivist*innen werden drei zentrale Erkenntnisse erörtert:

  1. Die Geschichte der Kolonialisierung der Zukunft koexistiert mit langjährigen, nicht-kolonialen Traditionen des kritischen Zukunftsdenkens (siehe Bourgeois et al. 2022; Feukeu 2024).
  2. Entwicklungs- und Zukunftsplanungspraktiken können nur dann ethisch sein, wenn sie die Bedürfnisse der Gemeinschaften, denen sie zugutekommen sollen, nicht voraussetzen (Alpes et al. 2023).
  3. Sobald keine Vermutungen über Bedürfnisse mehr angestellt werden, stehen alternative Methoden wie Reframing (Feukeu, 2025), partizipative Diagnosen und situierte Zukunftsvisionen (Feukeu, 2024) für sozialwissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.

Zukünftige Arbeiten werden diese Agenda um eine kritische Betrachtung der politischen Ökonomie Afrikas im Hinblick auf wirtschaftliche Rechte, insbesondere Eigentums- und Landrechte, erweitern.

Literatur

Kwamou Eva Feukeu, Chapter 7: A pluriversal definition of Futures Studies: critical futures studies from margin to centre, in: Roberto Poli (Hrsg.), Handbook of Futures Studies, Edward Elgar Publishing, Cheltenham 2024, 80–97.
Maybrit Jill Alpes, Kwamou Eva Feukeu, Marieke van Houte, Shahed Kseibi, Belal Shukair, Who Owns the Future of Syrians in Lebanon? Intimate Family Explorations of Refugees’ Own Search for Durable Solutions, Journal of Refugee Studies 36, 3 (2023), 383–408.
Robin Bourgeois, Geci Karuri-Sebina, Kwamou Eva Feukeu, The future as a public good: Decolonising the future through anticipatory participatory action research, Foresight 2022, https://doi.org/10.1108/FS-11-2021-0225, 01.08.2022.
Kwamou Eva Feukeu, Reframing and futures literacy: Tackling the poverty of the modern imagination, in: Megan M. Crawford, George Wright (Hrsg.), Improving and Enhancing Scenario Planning, Edward Elgar Publishing, Cheltenham 2025, 96–118.
Kwamou Eva Feukeu, Oluwabunmi Ajilore, Robin Bourgeois, "The Capacity to Decolonise, a Research Draft", Foresight for Development and IDRC, September 2020 – revised in April 2021, 2021, https://idl-bnc-idrc.dspacedirect.org/handle/10625/60080, 04.2021.
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