Migrationsbiographien in der deutschen Rechtswissenschaft

20. Oktober 2026

Anatol Dutta und Matteo Fornasier, ehemalige wissenschaftliche Referenten des Instituts und heute Inhaber rechtswissenschaftlicher Lehrstühle in München und Bochum, gehen der Frage nach, welche Rolle Herkunft für die juristische akademische Laufbahn spielt. Sie sind Herausgeber eines Sammelwerks autobiographischer Erzählungen von 35 Rechtswissenschaftler*innen mit Migrationsgeschichte.

In Rechtswissenschaft und Rechtspraxis wird Diversität zunehmend intensiv diskutiert und gilt inzwischen als wichtige Voraussetzung für eine zukunftsfähige juristische Wissenschaft und Praxis. Migrationsbedingte Vielfalt ist nur eines von mehreren Merkmalen, auf die sich der Diversitätsbegriff bezieht. Gleichzeitig sind Personen mit Migrationshintergrund keine homogene Gruppe.

Die Jurist*innen, die in diesem Sammelband von ihren persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen berichten, gehören verschiedenen Generationen an und repräsentieren eine Vielfalt unterschiedlicher Migrationsbiographien. Viele wurden als Kinder ausländischer Eltern in Deutschland geboren. Manche sind in ihrer Kindheit oder Jugend mit ihren Eltern eingewandert. Andere kamen zum Studium oder zur Promotion. Alle haben sich erfolgreich in der Wissenschaft positioniert und eine Professur erreicht. Ihre Werdegänge geben somit Einblick in die Bedingungen von Gelingen.

Ohne den Anspruch auf Repräsentativität oder Vollständigkeit zu erheben, beantworten die Beiträge auf sehr persönliche Weise die Frage nach dem Einfluss der eigenen Herkunft auf die wissenschaftliche Laufbahn, nach überwundenen Hürden und entscheidenden Chancen. So entsteht ein vielschichtiges Panorama persönlicher Lebensgeschichten, das zugleich einen neuen Blick auf Diversität in der deutschsprachigen Rechtswissenschaft eröffnet.

Neben den Herausgebern gehören drei weitere Alummnae und ein Alumnus des Instituts zu den Autor*innen des Bandes. Elena Dubovitskaya, Imen Gallala-Arndt, Jens M. Scherpe und Nadjma Yassari erzählen von ihrem persönlichen Hintergrund, familiären Bindungen über nationale Grenzen hinweg sowie unterschiedlichen Erfahrungen mit Deutschland als Einwanderungsland.

In seiner abschließenden Einordnung umreißt der Sozialwissenschaftler Asif Butt den größeren professionssoziologischen Zusammenhang. Den Erkenntniswert der 35 autobiographischen Perspektiven sieht er in der Möglichkeit, wiederkehrende Deutungsmuster und legitime Erzählweisen sichtbar zu machen. Als empirisches Material geben sie Einblick in Bedingungen wissenschaftlicher Karrieren, die über formale Qualifikationen hinausgehen und im regulären Diskurs häufig unsichtbar bleiben.

Prof. Dr. Anatol Dutta, M. Jur. (Oxford), Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, war von 2003 bis 2014 am Institut tätig.

Prof. Dr. Matteo Fornasier, LL.M. (Yale) ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Ruhr-Universität Bochum, war von 2008 bis 2017 am Institut tätig.


Das Buch ist auch als Online-Publikation im Open Access erschienen.


Eine Buchvorstellung mit Lesung findet am 27.Oktober 2026 an der Bucerius Law School, Hamburg, statt. 






Bildnachweis:
© Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht / Marlena Staak

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