Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts
Testierfreiheit und Werteordnung – Rechtsvergleichender Blick auf ein Spannungsfeld

Promotionsprojekt von Andreas Humm

 

Das Dissertationsprojekt untersucht das Spannungsfeld zwischen Testierfreiheit und Werteordnung in rechtsvergleichender Perspektive, namentlich mit Blick auf Deutschland, England und Südafrika. Es wird untersucht, wann sich die Rechtsordnungen unter Berufung auf grundlegende Werte, Sitte oder Moral dem letzten Willen eines Menschen entgegenstellen.

Die zu betrachtenden Fälle umfassen eine große Bandbreite an Konstellationen. Dazu zählt die Frage, inwieweit der Erblasser eine Erbeinsetzung unter eine Bedingung stellen darf, indem er beispielsweise von seinem Sohn die Heirat einer bestimmten Person verlangt. Betrachtet werden aber auch die Problematik der Nachlassverteilung anhand diskriminierender Maßstäbe wie Geschlecht oder Abstammung sowie die Grenzen einer Enterbung naher Angehöriger, die über die gesetzlich bestimmte Mindestbeteiligung naher Familienangehöriger am Nachlass hinausgeht.

Insbesondere wird nach den Hintergründen der jeweiligen Rechtsprechung gefragt: Decken sich die rechtlichen Entwicklungen hinsichtlich Sitte und Moral mit gesellschaftlichen Veränderungen oder markanten historischen Ereignissen? Wirken sich politische oder rechtspolitische Zielsetzungen auf die rechtliche Beurteilung aus? Wie weit reicht der Einfluss gewisser Charakteristika der Rechtstradition? Letztlich stellt sich die Frage, ob sich mit dem Überschreiten der nationalen Grenzen auch die Schranken, die eine gewisse Werteordnung dem Erblasser zieht, ändern und damit, ob diese Testierschranken eher national beziehungsweise kulturell geprägt sind oder doch als Ausdruck einer gemeinsamen Werteordnung erscheinen.