Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Institutsfilm
Max Planck PostDoc Conference on European Private Law

 

 


In Anknüpfung an die bereits seit 1999 etablierten Habilitandenkolloquien, zu denen Habilitanden an deutschen, österreichischen und schweizerischen Universitäten eingeladen werden, finden seit 2006 im zweijährigen Turnus die PostDoc Conferences on European Private Law statt. Das Institut lädt Nachwuchswissenschaftler aus  den nicht deutschsprachigen Ländern Europa ein und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeiten in englischer und französischer Sprache zu präsentieren und zu diskutieren.
 

Sixth Max Planck PostDoc Conference on European Private Law 2016

Am 18. und 19. April 2016 fand im Institut die sechste Max Planck PostDoc Conference on European Private Law statt, zu der Nachwuchswissenschaftler aus ganz Europa eingeladen wurden, um ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und zu diskutieren.

nbsp;
Fifth Max Planck PostDoc Conference on European Private Law 2014

Am 5. und 6. Mai 2014 fand im Institut die fünfte Max Planck PostDoc Conference on European Private Law statt, zu der Nachwuchswissenschaftler aus ganz Europa eingeladen wurden, um ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und zu diskutieren.

 
Fourth Max Planck PostDoc Conference on European Private Law 2012

28.09.12

Am 7. und 8. Mai 2012 fand im Institut die vierte Max Planck Post-Doc-Conference on European Private Law statt, zu der Nachwuchswissenschaftler aus ganz Europa eingeladen wurden, um ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und zu diskutieren.

 
Third Max Planck PostDoc Conference on European Private Law 2010

10.05.10

Auf Einladung des Max Planck Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht fanden sich elf Nachwuchswissenschaftlerinnen und fünf Nachwuchswissenschaftler am 10. und 11. Mai 2010 in Hamburg zur dritten PostDoc Konferenz ein. Die Vielfalt der Forschungsthemen und der methodischen Ansätze war beeindruckend.

Im Wesentlichen können die Vorträge in drei Themenblöcke geteilt werden, die den jeweiligen Interessen und Arbeitsgebieten der drei Direktoren des Max Planck Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht entsprechen.

Den Vorsitz über den ersten Themenblock zum Bereich des Bürgerlichen Rechts führte Reinhard Zimmermann. Der erste Vortrag wurde von Bianca Gardella Tedeschi (Turin/Italien) zum Thema „Wrongful Interference in Contractual Relations“ gehalten. Dabei wurden die Rechtsordnungen Italiens, Englands und US-amerikanischer Staaten untersucht und mit dem Vergleich die zentralen Fragestellungen für den Problembereich herausgearbeitet. Anne Danis-Fatôme (Paris/Frankreich) stellte danach ihre Thesen über „The Doctrine of Appearance and Contract“ vor, wobei die Perspektive sehr stark auf Frankreich zentriert blieb. Franziska Myburgh (Stellenbosch/Südafrika) trug über Formgebote im südafrikanischen Vertragsrecht vor und zog Vergleiche mit Deutschland und England. Dabei ging es auch um die für das englische Recht sehr bedeutende parole evidence rule, nach der der Vertrag erst mit dem entsprechenden Dokument entsteht und daher auch keine anderen Informationen oder Unterlagen zu dessen Interpretation herangezogen werden dürfen. Freilich kann eine solche Regel nicht lückenlos durchgehalten werden; in dem Vortrag wurde daher nicht zuletzt ihr Verhältnis zur rectification thematisiert und auf dieser Ebene ein funktionaler Vergleich erarbeitet. Dorotha Leczykiewicz (Oxford/Vereinigtes Königreich) präsentierte ihre Untersuchung zu „EU Law of Private Party Liability in Damages: A Tort Law Regime?“, wo es insbesondere um Fälle aus dem Bereich des Wettbewerbsrechts ging, bei denen der EuGH festgestellt hatte, dass Geschädigte etwa bei Kartellrechtsverstößen einen direkten Anspruch geltend machen können. Kritisch hinterfragt wurde die Kompetenz des EuGH zur Schaffung dieser Rechtsbehelfe, wobei andererseits in der Diskussion Jürgen Basedow betonte, dass dem Gerichtshof kaum Alternativen offenstanden und daher der Schadensersatzanspruch als Rechtsbehelf naheliegend war. Leczykiewicz vertrat hingegen die Ansicht, dass die Wahl der Rechtsbehelfe den Mitgliedstaaten überlassen bleiben müsste. Ádám Fuglinszky (Budapest/Ungarn) sprach zum Thema „The Ways of Civil Liability in a Mixed Jurisdiction (using the Example of Quebec) Network of ‘Ratio Communis’” und ging mit einer Fülle von Beispielen und gründlich erarbeiteten Thesen auf die Einflussfaktoren im Kontext von Mischrechtsordnungen ein.

Für die Vorträge zu den Themen Vergaberecht, Wettbewerbsrecht, Schiedsgerichtsbarkeit übernahm Jürgen Basedow den Vorsitz. Grith Skovgaard Ølykke (Kopenhagen/Dänemark) sprach zu „The Concept of Abnormally Law Tenders in Public Procurement Law“. Chiara Tuo (Genua/Italien) erörterte Probleme zu “EU Air Transport Law Between Fundamental Freedoms and External Relations”, wobei es primär um (EU-)verfassungsrechtliche Aspekte ging. Dusan Popovic (Belgrad/Serbien) stellte das Thema „The Relationship between Competition law and Regulation in the EU Electronic Communications and Energy Sectors“ vor, wo das Wechselspiel zwischen Regulierung und Wettbewerb untersucht wurde. Carmen Azcárraga-Monzonis (Valencia/Spanien) sprach über die jüngeren Entwicklungen im IPR und Erbrecht unter dem Titel „International Successions, Harmonization of Private Law and Multiculturalism“. Séverine Menétrey (Nizza/Frankreich) trug (auf französisch) zum Problem Amicus Curiae im Zusammenhang mit „Investor-State Arbitration in the European Union“ vor.

Der abschließenden Themenblock betraf das Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, für das Holger Fleischer den Vorsitz führte. Den Vortragsreigen eröffnete hier Vanessa Martí Moya (Valencia/Spanien), die über „Financial Assistance Prohibition and Merger Leveraged Buy-Out: Legal Treatment in Comparative Law“ sprach und hierfür die Rechtsordnungen Spaniens, Italiens, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs verglich. Ihr folgte Nikolaos Vervessos (Athen/Griechenland) mit einem breit angelegten Vortrag über „The Principles of Raising and Maintenance of Legal Capital and the Prohibition of Financial Assistance under Greek Law”. In der anschließenden Diskussion wurden freilich grundlegende Zweifel an dem Verbot der finanziellen Unterstützung laut. Bezeichnenderweise hat es den häufigen, von einem evidenten praktischen Bedürfnis getragenen Einsatz von Leveraged Buy-Outs kaum eingeschränkt. Nach dem Mittagessen setzte Veerle Colaert (Leuven/Belgien) das Programm mit einem Vortrag zum Thema „The Multi-Layered Legal Framework Governing the Financial Institution-Investor Relationship“ fort, in dem sie das Anwendungsverhältnis von kapitalmarktrechtlichen Verhaltensregeln nach der MiFID, gemeinschaftsrechtlichem Verbraucherrecht sowie mitgliedstaatlichem Zivilrecht im Schnittstellenbereich dieser drei „Rechtsschichten“ beleuchtete. Im anschließenden Referat stellte Michael Schouten (Amsterdam/Niederlande) unter dem Titel „The Mechanisms of Voting Efficiency“ eine eigene Taxonomie der Einflussfaktoren effizienten Abstimmungsverhaltens von Kapitalgesellschaftern vor, mit der er für kontrovers diskutierte Themen wie das Empty Voting, strategisches Abstimmungsverhalten und den Einsatz von Stimmrechtsberatern die zugrunde liegenden Zielkonflikte offen legte. Den Abschluss der Konferenz bildeten zwei Vorträge, die sich vor allem mit Methodenfragen im Kontext wirtschaftsrechtlicher Themen beschäftigten. Franca Contratto (Zürich/Schweiz) sprach über „The Law Enforcement Deficit in Swiss Economic Law: Phenomenology, Causes and Possible Remedies“, ihr Habilitationsprojekt, in dem sie auch im Rahmen von Expertenbefragungen ermittelte Daten auswerten will. Der Vortrag von Carsten Gerner-Beuerle (London/Großbritannien) zum Thema „Stock Market Development and Legal Change“ befasste sich wiederum mit den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der quantitativen Analyse des Wirtschaftsrechts anhand der seinerzeit von La Porta et al. in ihrer vielbeachteten Studie affirmativ beantworteten Frage um die Bedeutung des rechtlichen Umfelds für die Kapitalmarkttiefe und –breite einer Volkswirtschaft. Zum Ende der Veranstaltung zeigte sich Holger Fleischer beeindruckt von den Tagungsbeiträgen und beschloss die Konferenz mit einem Dank an die Referenten für ihre anspruchsvollen und hochinteressanten Vorträge.

 

Walter Doralt und Klaus Ulrich Schmolke, Hamburg

Second Max Planck PostDoc Conference on European Private Law 2008

20.05.08

Am 19. und 20. Mai 2008 veranstaltete das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht die Second Max Planck Postdoc-Conference on European Private Law.

Anknüpfend an die weithin beachtete erste Konferenz im Jahr 2006 sowie die seit 1999 etablierte Veranstaltungsreihe der Habilitandenkolloquien wurden 18 Nachwuchswissenschaftler aus ganz Europa eingeladen, um in englischer und französischer Sprache ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und zu diskutieren. Ziel der Veranstaltung war es, den Austausch und die Vernetzung unter den jungen Wissenschaftlern zu fördern sowie die Arbeit des Max-Planck-Instituts und seine renommierte Bibliothek bekannt zu machen.

Einen ersten Themenschwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung bildete das Unternehmens-, Versicherungs- und Bankrecht und stand im Mittelpunkt der folgenden Vorträge.
„How Should Law Filter Distressed Firms?“ fragte Peter Coussement von der Universität Gent und führte eine umfassende empirische Untersuchung des belgischen Insolvenzrechts auf. So konnte er etwa zeigen, dass die Insolvenzwahrscheinlichkeit steigt, wenn ein Unternehmen vornehmlich staatliche Gläubiger hat. Anknüpfend an seine empirischen Resultate formulierte Coussement rechtspolitische Forderungen, etwa nach einer persönlichen Organhaftung für Forderungen des Fiskus sowie nach einer Differenzierung des Insolvenzrechts zwischen großen und kleineren Unternehmen.

Die Frage der Gleichheit bildete den Ausgangspunkt des Vortrags „Discrimination and Insurance: Economic Efficiency and Actuarial Fairness as Limited by the Legal Principle of Equal Treatment“ von Yves Thiery von der Katholischen Universität Leuven. Thiery stellte dem Gleichheitsbegriff des europäischen Antidiskriminierungsrechts, der auf Ebene der Einzelperson ansetzt, einen versicherungsrechtlichen Gleichheitsbegriff entgegen, der bei der Gleichbehandlung von Gruppen ansetzt. Mittels eines Rechtsvergleichs zum kanadischen und südafrikanischen Recht versuchte Thiery, Abgrenzungskriterien zwischen legitimer von illegitimer Diskriminierung zu entwickeln.

Einem soziologischen Ansatz folgte die Arbeit von Cristina Poncibò von der Universität Turin zur Frage „Shall We Have a European Class Action?“. Ausgehend von der Richtlinie 98/27/EG über Unterlassungsklagen zum Schutz der Verbraucherinteressen ging sie der Frage nach, inwieweit Interessengruppen durch Vereinigungen repräsentiert werden können und wie sich derartige Vertretungsmodelle auch auf Schadensersatzklagen übertragen lassen. Aufgrund des von ihr vertretenen „communitarian model“ (in Abgrenzung zum „free market model“) forderte Poncibò unter anderem eine Erleichterung bei der Anerkennung einzelner Verbände als Gemeinschaftskläger.

„An Approach to the Most Problematic Matters Regarding Insolvency Administrators“ stellte Ignacio Tirado von der Universidad Autónoma de Madrid vor. Dabei behandelte er insbesondere die Auswahl des Insolvenzverwalters. Einen weiteren Schwerpunkt bildete das Verhältnis von Insolvenzgericht und Insolvenzverwalter.

Als Nächste referierte Mantha Varela aus Athen zum Thema „The Internal Liability of Companies Organized in Groups: The Response of European Laws with no Special Corporate Provisions“. In einem breit gespannten Rechtsvergleich, der das deutsche, italienische, französische und griechische Recht umfasste und auch gemeinschaftsrechtliche Bezüge herstellte, präsentierte sie verschiedene Ansätze zur Regelung konzernrechtlicher Sachverhalte in Europa.

Den ersten Themenschwerpunkt abschließend, sprach Mette Winther Løfquist von der Copenhagen Business School über „Europeanization of Banking Law - A Legal Analysis of Methods for Regulation“. In ihrem Vortrag behandelte sie sowohl die gegenseitige Anerkennung als auch Rechtsvereinheitlichungsprojekte im europäischen Bankrecht. Im Schwerpunkt standen Regulierung durch europäisches Primärrecht, Sekundärrecht und durch Soft Law.

Einen zweiten Schwerpunkt der Konferenz bildeten Themen zu Problemen aus dem Bereich des allgemeinen Zivilrechts. Andreas Abegg von der Universität Fribourg/CH begann mit einem Beitrag zum Einsatz von Privatrecht zur Regelung öffentlich-rechtlicher Angelegenheiten. In seinem Vortrag „Compulsory Norms of Private Administrative Law, the Contracting State as a Challenge for Private Law“ beschäftigte sich Abegg vor allem mit den Auswirkungen von Verträgen zwischen staatlichen Akteuren und Privaten auf andere Private. Anknüpfend an die Rechtsprechung des schweizerischen Bundesgerichts plädierte er für einen Lösungsansatz aus dem Privatrecht, der aber die politische Dimension des Sachverhalts nicht aus dem Blick verliert.

Im Anschluss präsentierte Ágnes Dósa von der Eötvös Loránd Universität Budapest eine „Comparative Analysis of Medical Malpractice (Tort Law Problems)“. Anhand von statistischen Auswertungen der Fälle wies sie darauf hin, dass in Ungarn seit Beginn der 1990er Jahre ein rascher Wandel zu einer sehr patientenfreundlichen Rechtsprechung erfolgt sei. Im Einzelnen belegte sie dies anhand von Beispielen aus dem Bereich der ärztlichen Aufklärungspflichten, der deliktischen Sorgfaltspflichten, des Kausalitätsnachweises und des Problems der Haftung für den Verlust von Heilungschancen.

Zum Abschluss des ersten Konferenztages ergründete Teun Struycken von der Universität Utrecht „The Numerus Clausus in the Law of Property – Roots, Ratio and Ramifications“. In seinem rechtshistorisch und rechtsvergleichend weit ausholenden Vortrag beleuchtete Struycken diverse Aspekte des sachenrechtlichen numerus clausus. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf die Bedeutung der Privatautonomie im Sachenrecht und die Allokation von Rechtsmacht zwischen Judikative und Legislative durch die weitere oder strengere Handhabung sachenrechtlicher Institute.

Einen rechtshistorischen Ansatz verfolgte auch Paul de Plessis von der Universität Edinburg zu Beginn des zweiten Tages. Das Verständnis für die während der historischen Entwicklung der Rechtsinstitute auftretenden Spannungen und deren Gründe, so de Plessis’ These, liefere einen wichtigen Beitrag für die zukünftige Rechtsentwicklung. In seinem Vortrag „The ‚Lease’ Paragdigm“ untersuchte er daher die Behandlung der Untervermietung von beweglichen Sachen durch den Mieter vom Corpus Iuris Civilis bis hin zu den modernen Kodifikationen.

In ihrem Vortrag „Unjust enrichment in South African law: a renalysis of the South African law of enrichment by tranfer“ ging Helen Scott vom St. Catherine’s College in Oxford der Frage der Rechtsbasis ungerechtfertigter Bereicherung nach und wählte Südafrika als Beispiel. Sie vertrat dabei die These, dass die tatsächliche Basis des südafrikanischen Rechts nicht, wie allgemein angenommen, der fehlende Rechtsgrund für die Transaktion, sondern die „unjust factors“ – Irrtum, Zwang und Minderjährigkeit – sind und dass diese „unjust factors“ auch weiterhin der bessere Ausgangspunkt für die Analyse des Rechts der ungerechtfertigten Bereichung darstellen.

Den Abschluss des Vormittages und des zweiten Themenschwerpunktes bildeten zwei Vorträge zum Deliktsrecht. Mit der Frage der Haftung für Unterlassungen befasste sich Eric Tjong Tjin Tai von der Universität Tilburg in seinem Vortrag „Liability for Omissions in European Tort Law“. Auf der Basis einer rechtsethischen Analyse der Sorgfalt und Sorgfaltspflichten identifizierte er dabei drei Kategorien von Unterlassungen, welche unabhängig von den Unterschieden in den einzelnen Rechtsordnungen bestehen und daher als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines europäischen Deliktsrechts dienen könnten.

Carlos Gómez Ligüerre von der Universität Pompeu Fabra, Barcelona, untersuchte in seinem Vortrag „Joint Several Liability in the Law of Torts“ die Haftung Mehrerer für unerlaubte Handlungen. Ausgehend von der an der generellen gesamtschuldnerischen Haftung mehrerer Schädiger geübten Kritik legte er dabei die zur Lösung dieses Problems vertretenen Modelle dar und erläuterte deren Vor- und Nachteile.

Den dritten Schwerpunkt der Veranstaltung bildete das internationale Privat- und Prozessrecht. Petr Dobiaš von der Karls-Universität Prag begann mit einem Vortrag zum Thema „International Commercial Arbitration – New Trends“. Dabei verglich er das neue tschechische Schiedsverfahrensrecht mit internationalen Vorbildern, insbesondere dem UNCITRAL Model Law on International Arbitral Proceedings.

Der folgende Vortrag von Louis d’Avout von der Universität Lyon III behandelte eine klassische Frage des internationalen Privatrechts: das internationale Sachenrecht. Im Mittelpunkt der Betrachtung stand die Frage der Reichweite des lex rei sitae. D’Avout plädierte dafür, einerseits die Anknüpfung an den Belegenheitsort umfassend zu verstehen, andererseits aber ihren Anwendungsbereich einzuschränken und so zu größerer Parteiautonomie zu gelangen.

„Electronic Commerce – Issues of Jurisdiction and Choice of Law“ lautete der Titel des Vortrags von Patrik Lindskoug von der Universität Lund. In seiner breit gespannten Untersuchung beleuchtete Lindskoug verschiedene Aspekte des Themas, vorrangig aus der Sicht des europäischen Gemeinschaftsrechts. So behandelte er die Fragen des Gerichtsstands nach der Brüssel I Verordnung, die Einordnung digitaler Produkte unter den verschiedenen internationalen Abkommen (Europäisches Schuldvertragsübereinkommen, Luganer Übereinkommen) und der Brüssel I Verordnung und die Rechtswahl beim E-Commerce. Schließlich beleuchtete er ausführlich die Implikationen der E-Commerce Richtlinie 2000/31/EG.

Den Abschluss der Konferenz bildete der Vortrag „Mandatory Rules in Contractual Obligations in Private International Law“ von Maciej Mataczynski. Ausgangspunkt bildeten einerseits die Regeln der Art. 3 und 7 des Europäisches Schuldvertragsübereinkommen (sowie der entsprechenden Regeln des Vorschlags einer Rom I-Verordnung) und andererseits die Rechtsprechung des EuGH, insbesondere die Ingmar-Entscheidung (Rs. C-381/98) und die Arblade-Entscheidung (verbundene Rs. C-369/96 und C-376/96). Mataczynski untersuchte den Bedeutungswandel zwingender Rechtsnormen durch den weitgehend zwingenden Charakter des europäischen Gemeinschaftsrechts. Angesichts des durch den EuGH in der Ingmar-Entscheidung eingeschlagenen Weges sei nicht auszuschließen, dass der Gerichtshofs zukünftig große Teile des Gemeinschaftsrechts als zwingend ansehen werde.

First Max Planck PostDoc Conference on European Private Law 2006

27.06.06

Am 27. und 28. Juni 2006 veranstaltete das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht die First Max Planck Postdoc-Conference on European Private Law, zu der 18 Nachwuchswissenschaftler aus ganz Europa eingeladen wurden, um ihre Forschungsarbeiten in englischer und französischer Sprache zu präsentieren und zu diskutieren. In Anknüpfung an die erfolgreiche Veranstaltungsreihe der Habi li tan den kolloquien, die das Institut seit 1999 durchführt, hatte die Veranstaltung zum Ziel, den Austausch und die Vernetzung unter den jungen Wissenschaftlern zu fördern, wie auch die Arbeit und die Bibliothek des Max-Planck-Instituts bekanntzumachen.

Einen ersten Themenschwerpunkt bildete das Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht. "Codes of Conduct in the Financial Sector: Legal Nature and Function" war das Thema der Dissertation sowie des Vortrages von Frau Christina Livada von der Universität Athen. Codes of conduct seien von immer stärkerer Bedeutung für den Finanzsektor. Während die traditionellen codes of conduct reines soft law darstellten, das zur Vermeidung gesetzlicher Regelungen im Wege der Selbstverwaltung erlassen werde, sei gerade im Bereich der Investmentdienstleistungen bindendes Recht in Form von codes of conduct zu beobachten. Entsprechend dieser Unterscheidung müssten aber unterschiedliche Konzepte für die Analyse gefunden werden.

Eine verhaltensökonomische Analyse des Rechts forderte Geert Raaijmakers von der Universität Maastricht in seinem Bericht zum Thema "The Effectiveness of Rules and Regulations in Company and Securities Law". Im Gesellschaftsrecht sei eine Entwicklung dahin zu beobachten, dass Gesetze zunehmend Verhaltensregeln für Vorstände, Finanzdienstleister und andere aufstellten. Der Gesetzgeber wolle aber oftmals das Verhalten der Menschen steuern, ohne sich über das beabsichtigte Verhalten genau im klaren zu sein. Daher forderte Raaijmakers, dass der Gesetzgeber seine Intention klarer formulieren sollte, um erwünschte Folgen von unerwünschten Nebenfolgen trennen und so die Effizienz der Gesetze erhöhen zu können.
Pierre-Henri Conac von der Universität Paris I (Panthéon-Sorbonne) betrachtete den Einfluss des amerikanischen Rechts auf das französische Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht. In seinem Beitrag zum Thema "The Influence of American Law on French Corporate and Securities Law" stellte er eine erhebliche Beeinflussung des französischen Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts durch das amerikanische Recht in den vergangenen zehn Jahren fest. Einerseits sei dies darauf zurückzuführen, dass der Europäische Gesetzgeber bei Erlass von Richtlinien in diesem Bereich sich von dem amerikanischen Vorbild leiten lasse. Andererseits seien die Unternehmen selbst - angesichts des globalen Wettbewerbs - interessiert daran, amerikanische Standards zu erfüllen.

Eine rechtsvergleichende Untersuchung des Übernahmerechts in Großbritannien und Frankreich lieferte Ferna Ipekel im Vortrag zum Thema "Takeover Regulation in the UK and France". Die von der Yeditepe-Universität Istanbul stammende Wissenschaftlerin analysierte die Richtlinie 2004/25/EG, die sogen. Übernahmerichtlinie, und ihre Umsetzung in Frankreich und Großbritannien. Dabei sei von besonderem Interesse die unterschiedliche Struktur der Verteilung des Aktienbesitzes in beiden Ländern gewesen, wie auch der besondere Einfluss der britischen Regelungen auf die Formulierung der Richtlinie.

Einen zweiten Schwerpunkt bildete das internationale Privatrecht. In der Darstellung ihrer Dissertation "The Scope of Secondary Community Law in the Light of the Methods of Private International Law - or the other way around?" ging Stéphanie Francq von der Katholischen Universität Louvain-la-Neuve den zwei grundsätzlichen Konzeptionen des IPR nach: der unilateralen sowie der heute herrschenden plurilateralen Konzeption. Am Beispiel der Gran Canaria Fälle untersuchte sie dann den Anwendungsbereich der Verbraucherschutzrichtlinien. Dabei stellte sie fest, dass diese ihren Anwendungsbereich selbst bestimmten, wie es sonst nur für lois de police üblich sei. Da es sich bei Verbraucherschutznormen aber nicht um lois de police handele, müsse man diesen Normen eine unilaterale Konzeption zugrunde legen.
"The Influence of the Rome Convention 1980 on the Law Applicable to Contractual Obligations on Russian Private International Law" war Gegenstand der Dissertation wie auch des Berichtes von Anton Asoskov von der Lomonosov Universität in Moskau. Asoskov stellte anhand verschiedener Beispiele dar, dass das Römer Schuldvertragsabkommen von 1980 bei der Formulierung des russischen Zivilgesetzbuches von 2001 einen erheblichen Einfluss hatte. Gerade aber die Überarbeitung in Form der sogen. Rom I - Verordnung würde den russischen Gesetzgeber erneut unter Handlungsdruck setzen.

Eine methodische Untersuchung des IPR lieferte Didier Boden in dem Vortrag "L'ordre public, limite et condition de la tolérance". Der Wissenschaftler von der Universität Universität Paris I (Panthéon-Sorbonne) stellte zunächst fest, dass die bilaterale Theorie des IPR der des völkerrechtlichen Monismus, die unilaterale Theorie aber dem Dualismus entspreche. Eine Vielzahl der großen Probleme des IPR führte er dann auf eine methodische Vermischung beider Ansätze zurück. Bei der Idee des ordre public handele es sich aber um ein typisch unilaterales-dualistisches Instrument, das mit Begriffen des bilateralen-monistischen Ansatzes methodisch nicht erklärt werden dürfe.
Ulla Liukkunen von der Universität Helsinki erläuterte in ihrem Vortrag "The Role of Mandatory Rules in International Labour Law - a Comparative Study in the Conflict of Laws" die Schwierigkeiten bei der inhaltlichen Bestimmung des Begriffes der zwingenden Regeln im internationalen Arbeitsrecht. Dabei könne die Richtlinie 96/71/EG über die Entsendung von Arbeitnehmern im Rahmen der Erbringung von Dienstleistungen bei der Bestimmung dieses Begriffes hilfreich sein, wenn auch die Umsetzung dieser Richtlinie in einigen skandinavischen Ländern gerade im Bereich der Kollektivverträge stark differiere.

Für ein neues Verständnis des IPR warb Alex Mills von der University of Cambridge in seinem Referat "International norms in private international law". Zunächst zeigte Mills den historischen Zusammenhang zwischen dem internationalen Privatrecht und dem Völkerrecht auf, das gleichsam als Rahmen fungierte. Durch eine starke Betonung der staatlichen Souveränität im 19. Jahrhundert sei dieser Zusammenhang aber verlorengegangen. Mills plädierte daher unter Verweis auf das nationale Recht, wo das Verfassungsrecht einen Rahmen für das Privatrecht bilde, das Völkerrecht wieder als einen Rahmen für das IPR zu betrachten, der bei der Problemlösung mit Wertungen behilflich sein könne.

Die Vertragsrechtsvergleichung wie -vereinheitlichung bildete einen dritten Schwerpunkt. In seinem Bericht "Reliance and Expectation Damages in Precontractual Relations" stellte Giorgio Afferni von der Universität Genua rechtsvergleichend zwei unterschiedliche Ansätze für die vorvertragliche Haftung und die hieraus resultierende Kompensation des Schadens dar: Zum einen bestehe im europäischen Privatrecht eine Haftung für den Abbruch von Vertragsverhandlungen, die entweder verschuldensabhängig als culpa in contrahendo oder verschuldensunabhängig unter dem Gesichtspunkt des venire contra factum proprium konzipiert sei. Zum anderen sei eine Haftung im Falle der Täuschung möglich, wobei bei der Kompensation danach zu differenzieren sei, ob ein Vertrag nicht oder zu anderen Bedingungen als gewollt geschlossen worden ist.
Attila Menyhárd von der Universität Budapest analysierte in seinem Vortrag "Immoral Contracts in Modern Contract Law" am Beispiel des § 200 Abs. 2 des ungarischen Zivilgesetzbuches die Entwicklung solcher gesetzlicher Bestimmungen, die Verträge wider die guten Sitten für nichtig erklären. Dabei beobachtete Menyhárd eine Erstreckung des Begriffs des Verstoßes gegen die guten Sitten auf im Sinne einer public policy sozial und wirtschaftlich unerwünschtes Verhalten..
Das UN-Kaufrecht rückte in den Mittelpunkt der Beiträge von Sonja Kruisinga von der Universität Utrecht sowie von Mateusz Pilich von der Universität Warschau. Kruisinga untersuchte in ihrem Beitrag zum Thema "Non-Conformity in CISG: A Uniform Concept?" einzelne Aspekte der vertragsgemäßen Leistung nach dem UN-CISG wie dem Begriff der Vertragsgemäßheit, der Rügeobliegenheit oder der Beweislastverteilung. Dabei wies sie auf die Schwierigkeit hin, im Einklang mit Art. 7 CISG eine einheitliche Begriffsbildung zu garantieren, da es an einer zentralen Rechtsprechungsinstanz fehle. Dennoch sei bei der Anwendung des CISG durch Gerichte auch der Blick auf die Rechtsprechung der Gerichte anderer Länder zu beobachten. "The Principle of Good Faith in CISG" war Gegenstand des Berichts von Pilich, der zunächst die Bedeutung des Begriffs von Treu und Glauben im europäischen Privatrecht der Vergangenheit und Gegenwart hervorhob. Gleichwohl lag bei der Schaffung des CISG dem Art. 7 Abs. 1 kein einheitliches Verständnis von Treu und Glauben zugrunde. Diese Norm wende sich in erster Linie an den Rechtsanwender, nicht aber die Parteien. Über diese Norm hinaus könne in gewissen Grenzen aber Treu und Glauben als ein allgemeines Rechtsprinzip des CISG betrachtet werden, im übrigen sei aber das Kriterium der reasonableness im CISG ein funktionelles Äquivalent zu Treu und Glauben.


Eine umfassende Betrachtung des Schadensersatzrechts unter verschiedenen Gesichtspunkten bildete den letzten Schwerpunkt der Konferenz. Ein neues Verständnis des Begriffs des zivilrechtlichen Schadens für das Schweizer Recht forderte Anne-Sylvie Dupont aus Genf in ihrem Vortrag "Le dommage écologique : la réparation des atteintes au milieu naturel par les mécanismes du droit de la responsabilité civile". Zwar werde der Schadensbegriff in Anlehnung an das deutsche Recht traditionell nach der Differenzhypothese bestimmt. Dies sei jedoch, wie ein Gesetz zur Haftung für genetisch veränderte Organismen zeige, nicht zwingend. Daher plädierte sie dafür, in Fällen von Umweltschäden und bereits ohne Gesetzesänderung jedem, der in seinen Interessen verletzt worden ist, eine umfassende Kompensation zu ermöglichen.
Welche völkerrechtlichen Grenzen bei der Regulierung der Verschmutzung durch Schiffe bestehen, stellte Lorenzo Schiano di Pepe von der Universität Genua dar. In dem Bericht "International and European Regulation of Ship-Source Pollution from the Perspective of the Coastal State" diskutierte er die Möglichkeiten eines Küstenstaates, regulierend wie auch zur Vollstreckung der international anerkannten Regeln und Standards tätig zu werden. Auch die EU als Vertragspartei der UNCLOS sei hierzu aufgerufen.
Das Produkthaftungsrecht war Gegenstand der Berichte von Monika Jagielska von der Schlesischen Universität Kattowitz sowie von Jean-Sébastien Borghetti von der Universität Nantes. Jagielska untersuchte in ihrem Bericht "Product Liability in European Private Law" die unterschiedliche Ausgestaltung der Produkthaftung im europäischen Privatrecht. Die Produkthaftung sei Gegenstand allgemeiner Haftungsregelungen, wie aber auch speziell für die Produkthaftung geschaffener Normen. Dabei sei die Produkthaftungsrichtlinie oftmals Anlass für spezielle Regelungen gewesen, wobei aber ihre Umsetzungen in die nationalen Rechtsordnungen grundsätzliche Unterschiede in der dogmatischen Konstruktion - Risiko- oder Verschuldenshaftung - nicht beseitigen konnten. Borghetti nahm eine rechtsvergleichende Betrachtung des Produkthaftungsrechts vor. In dem Vortrag "La Responsabilité du Fait des Produits. Étude de Droit Comparé" untersuchte er zunächst die historische Entwicklung des Produkthaftungsrechts. Da eine spezielle Regelung erst 1985 auf europäischer Ebene erging, konnten so die nationalen Gerichte in ihrer Rechtsprechung eigene Ansätze entwickeln. Dabei seien zwei grundsätzliche Modelle zu beobachten: das deutsche und das französische Modell. Während das deutsche Modell deliktisch und damit grundsätzlich verschuldensabhängig konzipiert sei, sei das französische Modell als eine vertragliche und damit verschuldensunabhängige Haftung konzipiert. Dennoch seien Ergebnisse und Wertungen der Rechtsprechung sehr vergleichbar, so dass bereits vor der Produkthaftungsrichtlinie eine hohe Konvergenz im Bereich der Produkthaftung bestand.

Den Abschluss der Konferenz bildete ein Vortrag von Zdenek Kühn von der Karlsuniversität in Prag mit seinem methodologischen Vortrag zum Thema "The Methodological Problems of the Application of Private Law in Post-Communism". Dabei führte Kühn die Mängel in der Qualität der Rechtsprechung in postkommunistischen Systemen darauf zurück, dass die in der kommunistischen Ära ausgebildeten Richter nur unzureichend in juristischer Methodik ausgebildet worden seien. Eine geradezu orthodoxe Haftung am Wortlaut des Gesetzes sowie die Unkenntnis höchstrichterlicher Rechtsprechung führten zu wenig nachvollziehbaren, zufälligen Ergebnissen.