Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts
Handwörterbuch / Max Planck Encyclopedia of European Private Law


I.   Handwörterbuch des europäischen Privatrechts

II.  The Max Planck Encyclopedia  of European Private Law 

III.  Projektrealisierung
 

Die Schaffung eines europäischen Privatrechts gilt als eine der bedeutendsten juristischen Entwicklungen der Gegenwart. Die Gesetzgebung der EU beruht jedoch auf zumeist kurzfristigen, dem politischen Tages­geschäft verpflichteten Entscheidungen. Das in den vergangenen zwanzig Jahren entstandene Regelungsgeflecht ist daher bruchstückhaft und verfolgt kein übergreifendes systematisches Konzept. Das vorhandene Wissen ist in vielen Teilrechtsgebieten derzeit nur in schwer zugänglicher Spezialliteratur verfügbar. Mitunter fehlt es auch noch völlig an einer wissenschaftlichen Bearbeitung und systematischen Durchdringung.
 
In dieser Situation müssen die Bestrebungen der Rechtswissenschaft dahin gehen, das europäische Privatrecht in seiner Gesamtheit zu erfassen, um so die Basis für eine spätere Systematisierung zu legen. Dazu bedarf es unter anderem auch der Aufarbeitung der rechtshistorischen Grundlagen in ver­gleichender Perspektive. Mit dem Ziel, das rechtliche Wissen auf diesem Gebiet umfassend zu strukturieren und der Privatrechtswissenschaft in Europa zusammenfassend zur Verfügung zu stellen, haben Wissenschaft­ler am Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht es sich zur Aufgabe gemacht, ein zentrales Nachschlagewerk zu schaffen.


 I.  Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts 

Als erstes Ergebnis entstand das im Jahr 2009 erschienene Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts, das inzwischen auch in einer Studienausgabe erhältlich ist. Das von Martin Illmer betreute Werk wird von den Instituts­direktoren Jürgen Basedow und Reinhard Zimmermann und dem ehema­ligen Direktor Klaus J. Hopt herausgegeben. Die Verfasser, überwiegend gegenwärtige oder ehemalige Institutsmitarbeiter, daneben aber auch dem Institut verbundene auswärtige Kollegen, haben die Stichworte geschrieben.

Gemeinsam mit über 120 Autoren, betreut von einem zu diesem Zweck zusammengestellten Redaktionsteam, wurde der Stoff in mehrjähriger Forschungsarbeit in Form enzyklopädischer Stichworte aufbereitet. Dabei konnte auf Vorarbeiten, die die Herausgeber bereits unabhängig voneinander in unterschiedlichen Rechtsgebieten veröffentlicht hatten, aufgebaut werden. An diesem Projekt waren alle Arbeitsbereiche des Instituts sowie ehemalige Mitarbeiter des Instituts und dem Institut besonders verbundene auswärtige Kollegen, darunter auch ehemalige Richter am Europäischen Gerichtshof, beteiligt.

Dank einer Sondervereinbarung mit dem Verlag Mohr Siebeck ist der Inhalt des Handwörterbuchs jetzt erstmals weltweit kostenlos in einer Onlineausgabe hier abrufbar.

Jürgen Basedow, Klaus J. Hopt, Reinhard Zimmermann (Hg.), Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts,  2 Bände, Mohr Siebeck, Tübingen 2009, LXXIV + 1991 S.


II.  The Max Planck Encyclopedia of European Private Law 

Nach weiterer zweijähriger Arbeit erschien 2012 die Max Planck Encyclopedia of European Private Law als englische Ausgabe bei Oxford University Press. Dabei ist die Enzyklopädie keine bloße Übersetzung der deutschen Ausgabe sondern ein eigenständiges Werk, das auf den unterschiedlichen rechtlichen Hintergrund der ausländischen Leserschaft zugeschnitten ist.

Der Stoff ist in knapp 500 Stichworten strukturiert aufbereitet. Ausgehend von einer rechtshistorischen und rechtsvergleichenden Betrachtung zeigt jedes Stichwort Entwicklungs- und gegebenenfalls Vereinheitlichungstendenzen für die Zukunft auf. Auf weiterführende Literatur wird jeweils hingewiesen. Damit gewährt die Enzyklopädie einen Überblick über die jeweilig behandelte Materie und stellt ein zentrales Nachschlagewerk für Rechtswissenschaft, Praxis und Politik dar, mit deren Hilfe der Leser sich über den europäischen Normbestand und den europäischen Hintergrund des nationalen Rechts informieren kann. Besonders nützlich sind dabei Verweise auf Spezialnormen, auf die Rechtsprechung europäischer und internationaler Gerichte sowie auf weiterführende Literatur. Entsprechend dem Format als Enzyklopädie sind die Stichworte alphabetisch geordnet. In jedem Stichwort erscheinen zahlreiche Verweise auf andere Stichworte. Hinzu treten ein Themen- und Sachregister sowie ein zentrales Rechtsquellenverzeichnis.

Die Max Planck Encyclopedia of European Private Law fasst das rechtliche Wissen über das europäische Privatrecht zusammen und stellt es der europäischen Privatrechtswissenschaft zur Verfügung. Es handelt sich nicht um ein reines Wörterbuch, also um eine bloße Ansammlung von Rechtsbegriffen und deren Erklärung in wenigen Zeilen. Dazu ist der Gegenstand zu komplex. Es ist aber auch kein systematisches Werk, in dem das europäische Privatrecht in einem Allgemeinen und einem Besonderen Teil dargestellt wird. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass das europäische Privatrecht gegenwärtig aufgrund der unkoordinierten Regelbildung und der punktuellen rechtswissenschaftlichen Debatte noch einen sehr verstreuten Charakter aufweist. Für ein systematisches Werk ist die Zeit deshalb noch nicht reif. Aber wo es heute schon möglich ist, enthält die Enzyklopädie systembildende Stichworte (z. B. Gemein­schaftsrecht oder Auslegung). Andere Stichworte befassen sich mit einzelnen Rechtsquellen des Unionsrechts (z. B. Insidergeschäfte, Überweisungsverkehr oder Europäisches Patent).

Obwohl die Enzyklopädie kein systematisches Handbuch ist, ist sie doch weit mehr als eine bloße Bestandsaufnahme von schon vorhandenem Wissen. Sie behandelt Teilrechtsgebiete, in denen das vorhandene Wissen nur in schwer zugänglicher Spezialliteratur verfügbar ist oder noch überhaupt nicht aufgearbeitet wurde. Für viele Teilbereiche ist die strukturierte Durchdringung des Stoffes unter dem leitenden Gesichtspunkt der Entwicklung von Einheitsrecht völlig neu. Die Enzyklopädie legt eine Grundlage für die spätere systematische Durchdringung des europäischen Privatrechts.

III.  Projektrealisierung  

Zur Bewältigung dieses großen und ehrgeizigen Projektes konnten die Ressourcen des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht genutzt werden. Die Direktoren haben das Forschungsprogramm des Hamburger Instituts seit Jahren um den thematischen Mittelpunkt des europäischen Privatrechts herum konzipiert. Ausgehend von diesem Mittelpunkt, in dem sich die Interessengebiete der Mitarbeiter des Instituts überschneiden, haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter die unterschiedlichsten Forschungsinteressen. Dadurch konnte die sehr umfangreiche thematische Breite der Max Planck Encyclopedia of European Private Law abgedeckt werden.

Auch für die ausgesprochen schwierige sprachliche Korrektur und Durchsicht sowie für die aufwendige editorische und redaktionelle Bearbeitung wurden die Ressourcen des Instituts genutzt. Die Institutsdirektoren Jürgen Basedow und Reinhard Zimmermann und der ehemalige Direktor Klaus J. Hopt zusammen mit Andreas Stier, ehemaliger wissenschaftlicher Referent am Institut, übernahmen die inhaltliche und die sprachliche Bearbeitung. Jedes der fast 500 Stichworte wurde von Michael Friedman und dem für das Stichwort fachlich zuständigen Herausgeber sprachlich durchgesehen und oft umfangreich korrigiert. Das Redaktionsteam setzte sich aus fünf ständigen und sieben temporären Mitgliedern zusammen. Sekretärinnen des Instituts halfen tatkräftig mit. Auch wurde das Werk im Institut sorgfältig gesetzt. Besonders ist die Rolle der Bibliothek des Max-Planck-Instituts hervorzuheben. Mit ihren nunmehr 500.000 Bänden enthält sie für fast alle in der Enzyklopädie behandelten Teilbereiche des Privatrechts eine ausgezeichnete Forschungs­grundlage und wurde dementsprechend intensiv genutzt. Die erfolgreiche Durchführung dieses Projekts in relativ kurzer Zeit ist der gemeinsamen Anstrengung aller am Werk Beteiligten zu verdanken. Wie auch schon beim Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts handelt es sich bei der Max Planck Encyclopedia of European Private Law um ein echtes Gemeinschaftswerk, das sowohl ein Konzentrat der Fachkompetenz des Instituts darstellt als auch den kollegialen Zusammenhalt und den solidarischen Geist aller Institutsmitarbeiter – in Verbindung mit den externen Autoren – widerspiegelt.

Jürgen Basedow, Klaus J. Hopt, Reinhard Zimmermann (Hg.), The Max Planck Encyclopedia of European Private Law, 2 Bände, Oxford University Press, Oxford 2012, XXXVIII + 1949 S.