Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts



Sportrechtssymposium 2018

Thema: Gleichheit im Sport


Montag, 19. November 2018
17.00 Uhr

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Anmeldung


Kontakt

Nicola Wesselburg

 

Hintergrund und Zielsetzung

Das Forum für Internationales Sportrecht ist eine gemeinschaftliche Initiative des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg und des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik in München. Ziel des Forums ist es, regelmäßig aktuelle Fragestellungen des internationalen Sportrechts zu thematisieren und öffentlich mit Vertretern aus Sport, Wirtschaft und Wissenschaft zu diskutieren. Die Symposien richten sich an alle praktisch oder wissenschaftlich tätigen Juristen, die sich für Fragen des Sportrechts interessieren.

Die immer weiter wachsende Ökonomisierung des Sports gefährdet seine Autonomie. Zugleich trägt sie bei zu einer immer stärkeren Verrechtlichung. Denn auf den gewerblichen Sport und die an seiner Organisation und Vermarktung Beteiligten sind die für alle geltenden Gesetze anwendbar: von den allgemeinen Vorgaben der Verfassung bis zu den Regelungen des Wirtschaftsrechts.

Das Sportrecht ist deshalb eine ebenso wichtige und aktuelle wie spannende Materie. Ihr besonderer Reiz ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass hier Fragestellungen aus so gut wie allen juristischen Disziplinen ineinandergreifen. Dazu gehören etwa Vereinsrecht, Arbeitsrecht, Schadensersatzrecht, Gesellschaftsrecht, Wirtschaftsrecht, Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht und Strafrecht. Von immer größerer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die internationale Perspektive,  beispielsweise durch das europäische Gemeinschaftsrecht. Die Folge dieses Querschnitts sind eine national wie international immer verzweigtere Rechtsprechung sowie Literatur – und zunehmende Informationsdefizite bei den verschiedenen Akteuren.

Der Anstoß für die Gründung des Forums für Internationales Sportrecht stammt von Professor Dr. Ingo von Münch, ehemaliger Zweiter Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht wird das Projekt von Prof. Dr. Reinhard Zimmermann geleitet, am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik von Prof. Dr. Ulrich Becker.

Wenn Sie in Zukunft zu den Symposien des Forums für Internationales Sportrecht eingeladen werden wollen, bitten wir um eine entsprechende Mail an veranstaltungen@mpipriv.de.

 

Sportrechtssymposium am 19.11.2018 - Thema: Gleichheit im Sport

Gleichheit im Sport

Der sportliche Wettkampf lebt von gleichen Bedingungen für ungleiche Teilnehmer. Menschen treten mit ihren unterschiedlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen gegeneinander an, sie sollen diese Voraussetzungen zwar durch Training, aber nicht durch verbotene Substanzen beeinflussen. Allerdings zählt zu den Wettbewerbsbedingungen auch, dass als typisch und vorgegeben angesehene Ungleichheiten durch die Bildung von Kategorien „aus dem Wettkampf genommen“ werden. Das war schon im antiken Sport der Fall: Dort existierten Altersklassen, etwa in Athen mit einer Trennung zwischen Knaben, Jugendlichen und Männern. Entsprechende Ansätze werden bis heute verfolgt. Viele Sportarten unterscheiden zudem zwischen Wettkämpfen für Frauen und Männer. Sportliche Wettbewerbe für Menschen mit Behinderungen werden eigenständig durchgeführt, wobei innerhalb dieser Wettbewerbe die Wahrung gleicher Bedingungen besonders schwierig ist. Der Sport bildet also Kategorien, um Gleichheit in der Ungleichheit zu ermöglichen. Er scheint ohne diese Kategorien nicht auszukommen.

Welche Kategorien gebildet werden, hängt aber nicht nur von biologischen Leistungsvoraussetzungen ab. Vielmehr spielen auch der Zweck des Sports, kulturelle Einstellungen und soziale Leitbilder eine wichtige Rolle. Immer wieder geben Entwicklungen Anlass, die Kategorienbildung zu hinterfragen, etwa die Bestrebungen zur Gleichstellung der Frauen oder zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Was als naturgegeben ungleich galt, erscheint eventuell eher als gleich, und die anscheinend vorgegebenen Grenzen zwischen einzelnen Kategorien sind möglicherweise soziale Konstrukte oder müssen zumindest auf Änderungen dieser Konstrukte reagieren. Das zeigt das Beispiel der Anerkennung eines dritten Geschlechts.

Angesichts dieser Umstände ist es Zeit, die Kategorienbildung im Sport zu hinterfragen. Was ist ihr Zweck? Wann dient sie der Herstellung von Gleichheit, wann verfestigt sie Ungleichheit? Welche Kategorien sind in welchen Zusammenhängen sachgerecht? Dahinter steht ein universelles, in Menschenrechtsabkommen wie nationalen Verfassungen verankertes normatives Prinzip: das der Gleichbehandlung. Es ist gerade auch im Sport – angesichts dessen gesellschaftlicher und auch wirtschaftlicher Bedeutung – zu beachten. Es verlangt keine Gleichheit. Es verlangt aber, dass die durch Wettkampfkategorien begründeten Ungleichheiten gerechtfertigt werden können.
 

Hauptvortrag
Prof. Dr. Michael Sachs, Universität zu Köln

Kommentare
Christoph Becker, Journalist
Prof. Dr. Anne Jakob, LL.M. Rechtsanwältin, Mitglied der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Behindertensportverbandes
Mareike Miller, Rollstuhlbasketballerin, Kapitänin der Damennationalmannschaft
Dr. Petra Tzschoppe, DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung

Diskussion
Leitung: Prof. Dr. Ulrich Becker, Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, München


Anmeldung

Um Anmeldung unter folgendem Link wird gebeten: Anmeldung Sportrechtssysmposium

Alternativ kann die Anmeldung auch formlos mit einer E-Mail an veranstaltungen@mpipriv.de erfolgen.

 

Das diesjährige Sportrechtssymposium findet am Montag, 19. November 2018 um 17.00 Uhr statt.

 

Veranstaltungsberichte der Sportrechtssymposien

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