Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


 

Kontakt

Nicola Wesselburg



Nächstes Sportrechtssymposium:

11. November 2019
17.00 Uhr

am Max-Planck-Institut für Privatrecht

Thema: Gerechtigkeit im Sport

Anmeldung

Hintergrund und Zielsetzung

Das Forum für Internationales Sportrecht ist eine gemeinschaftliche Initiative des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg und des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik in München. Ziel des Forums ist es, regelmäßig aktuelle Fragestellungen des internationalen Sportrechts zu thematisieren und öffentlich mit Vertretern aus Sport, Wirtschaft und Wissenschaft zu diskutieren. Die Symposien richten sich an alle praktisch oder wissenschaftlich tätigen Juristen, die sich für Fragen des Sportrechts interessieren.

Die immer weiter wachsende Ökonomisierung des Sports gefährdet seine Autonomie. Zugleich trägt sie bei zu einer immer stärkeren Verrechtlichung. Denn auf den gewerblichen Sport und die an seiner Organisation und Vermarktung Beteiligten sind die für alle geltenden Gesetze anwendbar: von den allgemeinen Vorgaben der Verfassung bis zu den Regelungen des Wirtschaftsrechts.

Das Sportrecht ist deshalb eine ebenso wichtige und aktuelle wie spannende Materie. Ihr besonderer Reiz ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass hier Fragestellungen aus so gut wie allen juristischen Disziplinen ineinandergreifen. Dazu gehören etwa Vereinsrecht, Arbeitsrecht, Schadensersatzrecht, Gesellschaftsrecht, Wirtschaftsrecht, Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht und Strafrecht. Von immer größerer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die internationale Perspektive,  beispielsweise durch das europäische Gemeinschaftsrecht. Die Folge dieses Querschnitts sind eine national wie international immer verzweigtere Rechtsprechung sowie Literatur – und zunehmende Informationsdefizite bei den verschiedenen Akteuren.

Der Anstoß für die Gründung des Forums für Internationales Sportrecht stammt von Professor Dr. Ingo von Münch, ehemaliger Zweiter Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht wird das Projekt von Prof. Dr. Reinhard Zimmermann geleitet, am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik von Prof. Dr. Ulrich Becker.

Wenn Sie in Zukunft zu den Symposien des Forums für Internationales Sportrecht eingeladen werden wollen, bitten wir um eine entsprechende Mail an veranstaltungen@mpipriv.de.

 

Sportrechtssymposium am 11.11.2019 - Thema: Gerechtigkeitt im Sport

Gerechtigkeit im Sport
Wann ist Hand „Hand“? – normative Fragen eines Anwendungsdilemmas im Profifußball

In deutschen Fußballstadien erregt eine Frage jedes Wochenende aufs Neue die Gemüter: Wann ist die Berührung des Balls durch Hand oder Arm eines Spielers ein zu ahndender Regelverstoß? Ihre Beantwortung ist nicht selten dann spielentscheidend, wenn das angebliche Handspiel im Strafraum stattfindet. In diesen Fällen kann zwar der Scheidsrichter die Hilfsmittel aus dem berühmten „Kölner Keller“ in Anspruch nahmen: Der sog. Videobeweis ermöglicht es ihm, die Spielszene aus verschiedenen Perspektiven und in Zeitlupe mehrfach Revue passieren zu lassen. Das hilft aber nur beschränkt. Denn anders als bei Abseitsentscheidungen, die alleine von Fakten abhängen, die sich durch technische Hilfsmittel zumeist besser feststellen lassen als durch das menschliche Auge in Echtzeit, geht es beim Handspiel um eine Bewertung. Schließlich liegt nach der Regel 12 ein Handspiel dann vor, wenn „ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt“.

Die eklatante Unsicherheit bei der Anwendung einer Spielregel kann sportlichen Erfolg und des-sen wirtschaftliche Folgen hin bis zu Millionensummen zu einem Lotteriespiel werden lassen. Dass sie Vereinsfunktionäre, Trainer und Spieler auf den Plan ruft, ist kein Wunder. Sie stellt aber auch eine Herausforderung für normative Wissenschaften dar. Denn schließlich geht es ihr um die Frage der Gerechtigkeit: Was ist Gerechtigkeit im Sport, und wie soll oder kann sie hergestellt werden? Was bedeuten Flexibilität und Rechtssicherheit in diesem Zusammenhang? Normative Ziele zu verwirklichen, ist auch eine Aufgabe der rechtswissenschaftlichen Dogmatik. Können deren Erkenntnisse und Methoden nicht fruchtbar gemacht werden, um die Anwendung von Fußballregeln zu verbessern?

Ansätze finden sich im Regelwerk der Fußballverbände selbst. So benennt die Regel 12 verschiedene Kriterien wie „Bewegung der Hand zum Ball“ oder „Position der Hand“, um die Absicht zu indizieren, und „Hilfsregeln“ wie „unnatürliche Handbewegungen“ und „Verbreiterung der Körperfläche durch Hand und Arme“ sollen bei der Umsetzung in der Praxis helfen. Dennoch scheint diese „Regeldogmatik“ nicht zu genügen, um eine vorhersehbare und einheitliche Regelanwendung zu gewährleisten – was zwangsläufig die Frage aufwirft, ob sie zu ungenau oder in sich widersprüchlich ist, ob sie die Auslegungsziele missachtet oder ob die Spielregel selbst ganz grundsätzlich nicht so konkretisiert werden kann, dass sie der Herstellung von Wettbewerbsgleichheit und in diesem Sinne auch von Gerechtigkeit dient.



Begrüßung
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Reinhard Zimmermann
Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, Hamburg


Hauptvortrag: Wann ist Hand „Hand“?
Prof. Dr. Hans Christoph Grigoleit
Rechtswissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität, München
 

Kommentare
Dr. Felix Brych
DFB-Schiedsrichter

Dr. Christian Deckenbrock
Jurist, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hockey-Bundes

Prof. Dr. Gunter Gebauer
Sportwissenschaftler, Philosoph und Linguist


Diskussion

Leitung: Prof. Dr. Ulrich Becker
Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, München

 

 



Anmeldung

Um Anmeldung unter folgendem Link wird gebeten: Anmeldung Sportrechtssysmposium

Alternativ kann die Anmeldung auch formlos mit einer E-Mail an veranstaltungen@mpipriv.de erfolgen.

 

Das diesjährige Sportrechtssymposium findet am Montag, 11. November 2019 um 17.00 Uhr statt.

 

 

Veranstaltungsberichte der Sportrechtssymposien

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