Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Projekt "Familienrecht in Syrien" (seit 2016)

Gemeinsam mit aus Syrien geflüchteten Juristen startete die Forschungsgruppe „Das Recht Gottes im Wandel“ im Januar 2016 ein Projekt zum syrischen Familienrecht.

 

Die Forschungen bieten deutschen Gerichten und Behörden konkrete Hilfe bei der Beurteilung von Fragen, die im Zuge von Asylverfahren und Familienzusammenführungen aufkommen. Denn Familienbeziehungen, die im Zuge des Asylverfahrens nachgewiesen werden müssen, könnten in Syrien sowohl unter dem staatlichen Recht als auch in autonomen, fremdbeherrschten Gebieten zustande gekommen sein. Zudem sind familienrechtliche Beziehungen, die im Ursprungsland rechtens sind, dem deutschen Recht oftmals fremd. Wie sind Dokumente zu bewerten, die in den autonomen Gebieten ausgestellt wurden? Unter welchen Voraussetzungen kann eine in Syrien religiös geschlossene Ehe in Deutschland anerkannt werden? Können polygame Ehen anerkannt werden, und gelten Kinder aus solchen Ehen als ehelich?

 

Zu der Forschungsarbeit der Gruppe „Das Recht Gottes im Wandel“ gehört normalerweise als wichtiger Ansatz die Feldforschung vor Ort, bei der die Unterschiede zwischen dem Gesetzesrecht und dem gelebten Recht erfasst werden. Aufgrund der politischen Lage sind Aufenthalte in Syrien derzeit nicht möglich. Hier bringen die syrischen Juristen ihr Wissen ein, die im Rahmen eines Praktikums für jeweils drei Monate am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht arbeiten. Sie helfen bei der Erfassung der gegenwärtigen Rechtslage in Syrien sowie bei der Vermittlung des fremden Rechtsverständnisses und haben so die Möglichkeit, schnellstmöglich in ihrem Fachgebiet tätig zu werden.

 

Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse erfolgt auf einer Webseite, um so Gerichten und Behörden einen schnellen Zugang zu ermöglichen:
www.familienrecht-in-syrien.de

 

Das Projekt wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz finanziell unterstützt.

Projekt "Familienrecht in Afghanistan" (2003 bis 2010)

Nach jahrzehntelangem Krieg stand Afghanistan vor der Aufgabe, Staatswesen, Justiz, Verwaltung und Hochschulen von Grund auf neu aufzubauen. Von 2003 bis 2010 widmete sich das Kompetenzzentrum zum Recht islamischer Länder am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht dem Familienrecht in Afghanistan. Die Forschungen hatten zum Ziel, den Prozess der anstehenden Gesetzgebung im Familienrecht zu begleiten, um konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie in diesem Bereich nachhaltig Hilfestellung gegeben werden kann. Dazu wurde eng mit afghanischen Juristen und unter Einbindung Rechtsgelehrter aus anderen islamischen Ländern zusammengearbeitet. Die Forschungen mündeten in der Veröffentlichung eines Lehrbuchs in Dari und Englisch, das vor Ort zur Schulung von afghanischen Juristen, Universitätsdozenten und Richtern eingesetzt wird.

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