Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Dekoloniale Rechtsvergleichung

Institutsdirektor Ralf Michaels und Lena Salaymeh (Assoc. Prof. Tel Aviv Law und wissenschaftliche Referentin am Institut) starten ein langfristig angelegtes gemeinsames Forschungsprojekt zu dekolonialer Rechtsvergleichung.

Die dekoloniale Rechtsvergleichung erforscht, inwieweit das herrschende Verständnis von Recht durch ein Gespann von Moderne und Kolonialität strukturiert wird, und sie bietet dekoloniale Alternativen zu diesem Verständnis. („Kolonialität“ bedeutet nicht nur Kolonialismus, sondern vielmehr eine totalisierende und universalisierende Denkweise, die der Moderne zugrunde liegt.)

Die herkömmliche Rechtsvergleichung beruht auf epistemischen Annahmen, die sich vor dem Hintergrund von Moderne und Kolonialität herausgebildet haben. Dies hat Auswirkungen auf mehrere zentrale Annahmen und Praktiken in der Rechtsvergleichung: die Anknüpfung an den Nationalstaat als analytische Kategorie, die Bevorzugung des säkularen Rechts vor dem religiösen Recht, die unterstellte Überlegenheit des modernen Rechts gegenüber präkolonialen oder antikolonialen Rechtstraditionen. Dekolonialität versucht, durch das Konzept der Pluriversalität diese Zentrum-Peripherie-Struktur als zentralern Aspekt der Dualität von Moderne und Kolonialität zu überwinden. „Pluriversalität“ geht davon aus, dass mehrere Traditionen und Sozialordnungen gleichzeitig legitim sind.

Anstelle einer Ausrichtung der Rechtsvergleichung am Ziel der Vereinheitlichung oder „Modernisierung“ von Recht setzen wir uns dafür ein, Rechtvergleichung dafür zu verwenden, das Rechtsdenken zu dekolonialisieren und die Voraussetzungen für Pluriversalität im Recht zu schaffen. Eine dekoloniale Analyse offenbart die Dynamik der Kolonialität innerhalb der Rechtsvergleichung und trägt dadurch zur Überwindung dieser Dynamik bei.

Call for Papers

Das Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht und die juristische Fakultät der Witwatersrand-Universität veranstalten am 6. Oktober 2020 an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg einen eintägigen Workshop zum Thema „Dekoloniale Rechtsvergleichung“.

Der Workshop geht dem Themenkongress der International Academy of Comparative Law zu „Diversity and Plurality in Law“ voraus, der vom 7. bis 9. Oktober in Pretoria/Südafrika stattfindet. (Unser Workshop und der Internationale Kongress bilden aber keine Einheit; die Mitwirkung am Workshop ist nicht von der Teilnahme am Internationalen Kongress abhängig oder auf deren Teilnehmer begrenzt.)

Der Call for Papers steht in englischer, deutscher, französischer und spanischer Sprache zur Verfügung.

Bibliographien
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Ansprechpartnerin: Lena Salaymeh