Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Länderreferat Russland und weitere GUS-Staaten

Das Russland-Referat des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht befasst sich mit dem Recht der Staaten, die aus der früheren Sowjetunion hervorgegangen sind. Einen Schwerpunkt stellt das Zivilrecht Russlands dar. Es gilt den Transformationsprozess wissenschaftlich zu erfassen und in einen Rechtsdialog mit den Staaten im postsowjetischen Raum zu treten. Das Referat wird von Frau Dr. Eugenia Kurzynsky-Singergeleitet.

Geschichte GUS

Mit dem Untergang der Sowjetunion 1991 wurde die geopolitische Karte in Osteuropa sowie in der kaukasischen und mittelasiatischen Region neu gezeichnet. Die aus den ehemaligen Sowjetrepubliken entstandenen Staaten entwickeln seither ein eigenes nationales Rechtssystem, das sich an den Erfordernissen einer modernen Marktwirtschaft ausrichtet. Das Privatrecht als eigentlicher gesetzlicher Rahmen einer Zivilgesellschaft nimmt in diesen Ländern an Bedeutung zu. Der Prozess der Rechtstransformation, der beispielsweise an den Neukodifizierungen des Zivilrechts, aber auch an vielen anderen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in den vergangenen Jahren erlassenen Gesetzen sichtbar ist, ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass die neu entstandenen Rechtsordnungen in den Blickwinkel der Rechtsvergleichung rücken.

 

Gleichzeitig besteht in den Staaten des postsowjetischen Raums ein erhöhtes Interesse am europäischen und insbesondere dem deutschen Recht. Der Grund für dieses Interesse liegt darin, dass die Zugehörigkeit dieser Länder zum kontinentaleuropäischen Rechtssystem während der Zeit des Sozialismus nicht vollständig abgebrochen ist. Bereits vor dem ersten Weltkrieg wurde in Russland europäisches, insbesondere deutsches Zivilrecht in beachtlichem Umfang übernommen, was bis in das heutige Zivilrecht Russlands und weiterer Staaten im postsowjetischen Raum hineinwirkt.

Forschung zum Zivil- und Wirtschaftsrecht der postsowjetischen Länder

Eine kontinuierliche Aufgabe des Länderreferats ist es, die Rechtsentwicklung der betreuten Staaten, die sich in einem komplizierten und dynamischen Prozess der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Transformation befinden, zu verfolgen, zu analysieren und bekannt zu machen. Diese Entwicklungen können dabei in den einzelnen Ländern – den nunmehr selbstständigen ehemaligen Republiken der Sowjetunion – durchaus unterschiedlich sein. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei dem Zivilrecht Russlands, da dieses nach wie vor die ganze Region stark prägt.

Die Rechtsentwicklung wird im Kontext des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels analysiert. Der rasche Wechsel des politischen Systems und die damit verbundenen Änderungen des rechtlichen Rahmens in der betreuten Region ermöglichen einmalige Einblicke in die Funktionsweise des Rechts und seine Wechselwirkung mit der Gesellschaft. Insbesondere die Analyse der Rezeption westlicher Rechtsnormen und Rechtsgrundsätze (sog. legal transplants) stellt ein interessantes Forschungsthema dar, das den Umgang der jeweiligen Rechtsordnung mit ausländischen Rechtseinflüssen beschreibt.

Rechtsdialog und internationale Zusammenarbeit

Das Referat sucht stets nach Möglichkeiten, interessante Rechtsfragen aus den betreuten Ländern oder auch bilateral wichtige Themen in bilateralen Projektenmit Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen aus den jeweiligen Ländern zu untersuchen. Diese Zusammenarbeit hat sich als idealer Weg erwiesen, um einzelne Problembereiche bilateral zu erforschen. Insbesondere erlaubt diese Vorgehensweise, verschiedene Perspektiven auf die untersuchten Rechtsordnungen zu verbinden, was den Erkenntnisgewinn sehr fördert. Die Ergebnisse werden zweisprachig deutsch/russisch erarbeitet und in deutschen sowie in führenden russischen rechtswissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Zum Teil werden sie durch die Projektpartner auch in weitere Landessprachen der betreuten Länder, wie beispielsweise georgisch, übersetzt.

Bei den Rechtsreformen in den Ländern des postsowjetischen Raums werden weltweite Erfahrungen berücksichtigt. Das Referat beteiligt sich aktiv an dem dadurch entstehenden rechtswissenschaftlichen Dialog, sowohl durch Mitwirkung an Beratungsprojekten im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit als auch durch eigene wissenschaftliche Tätigkeit im Rahmen von Kooperationen. Zu Letzteren gehören unter anderem Gastvorlesungen und Vorträge zum deutschen Recht an Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region, die zum Teil in russischer Sprache gehalten werden, sowie Veröffentlichungen in den rechtswissenschaftlichen Zeitschriften der betreuten Länder.

Wissenschaftliche Nachwuchsförderung

Einen wichtigen Aspekt der Tätigkeit des Referats bildet ferner die Betreuung von Stipendiaten, die einen Aufenthalt am Institut absolvieren. So wurde mit Unterstützung durch die VolkswagenStiftung ein Postgraduierten- Stipendienprogramm für junge Rechtswissenschaftler aus den Staaten des Kaukasus und Mittelasiens durchgeführt. Die Teilnehmer des Programms erhielten die Möglichkeit während eines neunmonatigen Aufenthalts am Institut zu einem selbst gewählten Thema ihres Heimatrechts im Zivil- oder Wirtschaftsrecht, jeweils in rechtsvergleichender Perspektive, zu forschen. Bei der Erstellung ihrer Untersuchungen wurden die Stipendiaten durch das Referat intensiv betreut. Darüber hinaus konnten sie an einem Seminarprogramm zum deutschen Recht in russischer Sprache teilnehmen, das auch von anderen russischsprachigen Gästen des Instituts besucht wurde. Neben dem Postgraduierten-Stipendienprogramm werden durch das Referat auch Stipendiaten aus Russland und anderen Ländern des postsowjetischen Raums betreut, die beispielsweise mit Stipendien des DAAD, der Humboldt-Stiftung oder des Fonds der Max-Planck-Gesellschaft am Institut forschen.

 

Forschungsprojekte

Einzelne Forschungsprojekte

Regelmäßiger Gesprächskreis "GUS-Runde"

Seit 2007 organisiert das Referat einen regelmäßigen, teils deutsch- und teils russischsprachigen Gesprächskreis zu den rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im postsowjetischen Rechtsraum mit dem Ziel, einen informellen und zwanglosen Gedankenaustausch zu fördern. Die Teilnehmer, zu denen deutsche wie osteuropäische Juristen zählen, berichten von ihren Erfahrungen in den verschiedenen GUS-Staaten.

 

Die Sitzungen werden teils in deutscher und teils in russischer Sprache durchgeführt. Die Organisation des Gesprächskreises liegt bei Eugenia Kurzynsky-Singer, die als Länderreferentin Russland und die GUS-Staaten betreut. Bei bestehendem Interesse und Fragen sowie für die Aufnahme in die Mailing-Liste, über die die Einladungen zu den einzelnen Sitzungen verschickt werden, besteht die Möglichkeit, per E-Mail (gus@mpipriv.de) an das Referat eine Nachricht zu schicken.

 

Weitere Informationen und Downloads zur GUS-Runde

Beiträge und Informationen zum Recht im postsowjetischen Raum

An dieser Stelle veröffentlicht das Referat "Russland und weitere GUS-Staaten" auf Deutsch, Englisch und Russisch ausgewählte Publikationen, kurze Informationen und studentische Beiträge zu den Rechtsordnungen der Staaten, die aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangen sind.

 

Beiträge zu ausgewählten Rechtsfragen

Informationen zu aktuellen Rechtsentwicklungen

Studentische Arbeiten