Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Geschichte Korea

In Korea wurde in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts unter japanischer Kolonialherrschaft ein kontinental-europäisches Rechtssystem eingeführt, welches im Großen und Ganzen deutscher Prägung war. Das moderne koreanische Zivilrecht wurde von vielen Koreanern allerdings vor diesem historischen Hintergrund als fremdes Recht empfunden, welches ihnen ihre traditionsgebundenen Rechte beraubte. Auch nach der Gründung der Republik Korea galt zunächst das durch die Japaner eingeführte Zivilgesetz. Die geplanten weiterführenden Rechtsreformen der 1948 gegründeten Republik Korea verzögerten sich nicht zuletzt wegen des im Jahre 1950 ausgebrochenen Korea-Krieges, der die Entwicklungen des Landes langfristig hemmte. Nach dem Krieg wurden die Rechtsreformen wieder aufgenommen und am 22.2.1958 wurde das Zivilgesetz der Republik Korea verabschiedet. 1962 folgte ein Handelsgesetz, welches auch umfassende Regelungen zum Gesellschaftsrecht enthält.

Forschung zum koreanischen Recht

Das Institut baut seit 2005 seine Kompetenz im ostasiatischen Recht mit Blick auf das koreanische Zivilrecht weiter aus. Knut Benjamin Pißler verbrachte auf Einladung des Korean Legislation Research Institute einen Forschungsaufenthalt in der Republik Korea. Er absolvierte von September 2004 bis März 2005 einen intensiven Sprachkurs an der Yonsei-Universität in Seoul. Das Recht der Republik Korea wird neben dem Recht der Volksrepublik China zukünftig einen zweiten Forschungsschwerpunkt für Knut Benjamin Pißler bilden. Dies ist für die rechtsvergleichende Arbeit Erfolg versprechend, da zwei asiatische Rechtsordnungen gegenübergestellt werden können und somit ein eurozentristischer Blickwinkel vermieden wird.

Publikationen zum koreanischen Recht

Schwerpunkt der Arbeit von Knut Benjamin Pißler zum koreanischen Zivilrecht ist zunächst der Aufbau einer Grundausstattung rechtswissenschaftlicher Literatur zum koreanischen Recht in der Bibliothek des Instituts. Seine regelmäßigen Reisen nach Südkorea nutzt er, um einschlägige Standardwerke, Kommentierungen und Rechtsprechungssammlungen für das Institut zu erwerben. Ein erstes Forschungsergebnis zum Recht der Republik Korea liegt bereits vor: Rabels Zeitschrift für ausländisches und internationales Privatrecht  veröffentlichte in Heft 2 des Jahres 2006 seine deutsche Übersetzung des neuen koreanischen internationalen Privatrechts mit einer Einführung in das Rechtsgebiet.

Mitte 2010 erschien das Buch "Einführung in das Koreanische Recht" im Springer-Verlag. Das Buch ist das erste deutschsprachige Werk, das einen umfassenden Überblick über das koreanische Recht geben wird. Knut Benjamin Pißler verbrachte Ende 2008 zwei Monate im Korean Legislation Research Institute, um die einzelnen Beiträge mit den koreanischen Autoren zu diskutieren.