Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Veranstaltungen zum Recht in Japan

Das Institut hat eine Reihe rechtsvergleichender Symposien mit Bezug zum japanischen Recht als Allein- oder Mitveranstalter ausgerichtet, zu denen jeweils Tagungsbände erschienen sind.

Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen

Im Rahmen der Veranstaltungen zum 150-jährigen Jubiläum hat Harald Baum zwei hochrangig besetzte rechtsvergleichende Symposien zusammen mit verschiedenen Partnern verantwortlich organisiert und geleitet: Am 21./22. Oktober 2011 die Tagung „Deutschland und Japan: Zwei Ökonomien im rechtlichen Dialog“ im Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Zusammenarbeit mit der Bucerius Law School, der Deutsch-Japanischen Juristenvereinigung, dem japanischen Generalkonsulat in Hamburg und dem Center of Excellence der Waseda Universität in Tokyo und im November ein dreitägiges Symposium zum Thema „Rechtstransfer in Japan und Deutschland“ in den Räumen der Keio Universität in Tokyo.

Die deutsch-japanischen Beziehungen standen im Jahr 2011 im Zeichen des Jubiläums „150 Jahre Freundschaft Japan- Deutschland“. Die beiden Nationen Japan und Deutschland (zunächst Preußen) verbindet seit anderthalb Jahrhunderten eine historisch unbelastete genuine Freundschaft, wie sie in den internationalen Beziehungen der Bundesrepublik einmalig sein dürfte. Japan ist nach wie vor eine der führenden asiatischen Nationen und war lange Zeit der einzige nicht westliche Staat, der wirtschaftlich und politisch auf Augenhöhe mit den westlichen Industriestaaten stand, in seiner historischen und kulturellen Prägung jedoch asiatisch blieb. Japan verfügt als alte Kulturnation über eine lange eigenständige Tradition der Regelung sozialer Konflikte, die gänz lich unabhängig von den Europa prägenden Einflüssen des römischen Rechts gestaltet war. Die rezipierten Rechts figuren operieren entsprechend in einem gesell schaft lichen Umfeld originär anderer kultureller Prägung, das bis heute in starkem Maße durch koopera tive Verhal tensweisen und kommuni taristische Strukturen gekenn zeichnet ist. Die geringe Prozessdichte in Japan ist sicherlich nicht exklusiv, aber zumindest auch auf diese Disposition zurückzuführen. Das moderne japanische Recht wurde aus historischen Gründennicht nur von verschiedenen europäischen Rechten, namentlich dem deutschen und französischen Recht, sondern nach 1945 zusätz lich erheblich vom US-amerikanischen Recht beeinflusst. Entsprechend handelt es sich bei dem heutigen Recht in Japan um eine mehrfach gestufte Misch rechts ordnung, die für den Rechtsvergleicher von besonderem Reiz ist. Im Rahmen der Veranstaltungen zum 150-jährigen Jubiläum hat Harald Baum zwei hochrangig besetzte rechts vergleichende Symposien zusammen mit verschiedenen Partnern verantwortlich organisiert und geleitet.

 

Am 21./22. Oktober 2011 fand im Institut in Zusammenarbeit mit der Bucerius Law School, der Deutsch-Japanischen Juristenvereinigung, dem japanischen Generalkonsulat in Hamburg und dem Center of Excellence der Waseda Universität in Tokyo die Tagung „Deutschland und Japan: Zwei Ökonomien im rechtlichen Dialog“ statt. Der thematische Bogen der teils auf Deutsch, teils auf Englisch gehaltenen Vorträge spannte sich von dem ideengeschichtlichen Hintergrund der Modernisierung der Wirtschaftsordnungen und des Rechts in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Japan (Knut Wolfgang Nörr / Yoshiaki Kurumisawa) über Fragen des Handelsrechts (Karsten Schmidt / Hiroshi Oda), der Haftung von Unternehmensleitern (Holger Fleischer / Etsuro Kuronuma), verschiedener Aspekte der Corporate Governance (Christian Kirchner / Tatsuo Uemura), der zunehmend dringlicheren Problematik der Corporate Compliance (Thomas Rönnau / Katsunori Kai) bis hin zu aktuellen Fragen der Bekämpfung der Piraterie (Doris König / Mariko Kawano). Ein ausführlicher Tagungsbericht findet sich in ZJapanR 32 (2011) 321-328. Der von Baum heraus gegebene Tagungsband wird als Sonderheft 6 (2012) der ZJapanR erscheinen.

 

Im November 2011 fand in den Räumen der Keio Universität in Tokyo ein dreitägiges Symposium zum Thema „Rechtstransfer in Japan und Deutschland“ statt, das Harald Baum in Zusammenarbeit mit der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin, der Deutsch-Japanischen Juristenvereinigung und der Keio Universität ausgerichtet hat. Die Vorträge wurden überwiegend auf Deutsch und zum kleineren Teil auf Japanisch gehalten und simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt. Die Tagung war thematisch in fünf Blöcke gegliedert.

Im ersten Themenblock ging es zunächst um die selektive Rezeption deutschen Rechts in Japan im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert (Anna Bartels-Ishikawa / Kazuhiro Takii). Es folgte eine spannende Analyse der teils divergierenden, teils parallelen Entwicklungen des Leistungsstörungsrechts in Japan und in Deutschland seit 1900 (Keizo Yamamoto / Stephan Lorenz). Der zweite Themenblock war der „Amerikanisierung“ des Wirtschaftsrechts in Japan und Deutschland gewidmet, da die rechtliche Neuordnung in beiden Ländern nach 1945 teilweise – in Japan stärker als in Deutschland – von US-amerikanischen Rechtsvorstellungen geprägt war. Als Beispiel dafür wurden die Einflüsse dieses Rechts auf das deutsche und japanische Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht beleuchtet (Jan von Hein / Hiroyuki Kansaku). Ferner ging es um die unverändert große Faszination des US-amerikanischen Rechts und die Stellung des deutschen und des japanischen Rechts in Auseinandersetzung mit diesem im globalen Wettbewerb der Rechtsordnungen (Christoph Frank / Mikio Tanaka). Im Mittelpunkt des dritten Themenblocks standen der Rechtstransfer aus Japan wie aus Deutschland in Reformstaaten. Die politische Sicht erläuterten Vizeminister Katsuyuki Nishikawa (Justizministerium Japans) und Staatssekretärin Dr. Birgit Grundmann (BMJ), Fragen der Unterstützung beim Transfer des Rechtsstaates untersuchten Tokiyasu Fujita und Dieter Grimm. Der vierte Themenblock hatte aus aktuellem Anlass – eine anstehende einschlägige Reform in Japan – das Thema Schuldrechtsmodernisierung zum Gegenstand (Karl Riesenhuber, Jens-Uwe Franck und Peter A. Windel / Kunihiro Nakata und Makoto Arai). Im letzten Themenblock ging es um Sinn und Grenzen der Strafrechtsvergleichung (Franz Streng / Byung-Sun Cho / Shintaro Koike). Der deutsche Botschafter in Japan, S. E. Dr. Volker Stanzel, zog als Abschluss des Symposiums ein ausführliches Resümee über die Entwicklung, den gegen wärtigen Stand und die künftigen Perspektiven der deutsch-japanischen Beziehungen, die er als ausgesprochen positiv einschätzte.

Der dritte Tag war einer Tagung deutscher und japanischer Nachwuchswissenschaftler vorbehalten. Unter dem Oberthema „Funktionen des Vertrags im Privatrecht, Strafrecht und Öffentlichen Recht“ referierten zehn jüngere Rechtswissenschaftler/innen aus Deutschland und Japan unter der Leitung von Karl Riesenhuber (Bochum), Kanako Takayama (Kyoto) und Moritz Bälz (Frankfurt/M.). Das Symposium wurde vom Bundesministerium der Justiz und der Robert Bosch Stiftung großzügig gefördert. Der deutsche Botschafter in Japan lud die Teilnehmer zu einem Empfang in seine Residenz. Der von Baum, Bälz und Riesenhuber herausgegebene Tagungsband wird als Sonderheft 7 (2013) der ZJapanR erscheinen.

Symposien zum Recht in Japan

Das Institut hat zahlreiche rechtsvergleichender Symposien mit Bezug zum japanischen Recht als Allein- oder Mitveranstalter ausgerichtet, zu denen jeweils Tagungsbände erschienen sind, so u.a.:

 
„Deutschland und Japan: Zwei Ökonomien im rechtlichen Dialog“ (Hamburg, 2011);
 
„Rechtstransfer in Japan und Deutschland“ (Tokyo, 2011);
 
„Japanese and European Private International Law in Comparative Perspective“ (Hamburg, 2007); 
 
„An Economic Analysis of Private International Law“ (Kyushu, 2005); 
 
„Globalisierung und Recht – Beiträge Japans und Deutschlands zu einer internationalen Rechtsordnung im 21. Jahrhundert“ (Tokyo, 2005);
 
„Changes of Governance in Europe, Japan, and the U.S.: Corporations, State, Markets, and Intermediaries“ (Berlin, 2004);
 
„Reform des Unternehmens- und Finanzmarktrechts in Japan und Deutschland“ (Berlin, 2003); 
 
„Economic Regulation and Competition. Regulation of Services in the EU, Germany and Japan“ (Schloss Ringberg, 2001);
 
„Sanktionen im Recht“ (Tokyo 1998);
 

„Japan: Economic Success and Legal System“ (Berlin, 1995).

Lehrveranstaltungen zum japanischen Recht

In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg bietet der für Japan zuständige Referent, Prof. Dr. Harald Baum, dort regelmäßig Lehrveranstaltungen zum japanischen Recht an.