Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Rechtsvergleichung mit Japan - Aufgaben

Wer am japanischen Recht interessiert ist, sieht sich mit einer erheblichen Sprachbarriere konfrontiert. Damit ist ein zentrales Aufgabenfeld der am Institut betriebenen Rechtsvergleichung mit Japan bereits umrissen: In einem ersten Schritt ist eine Plattform zu schaffen, über die verläss­liche Informa­tionen zum japanischen Recht in westlichen Sprachen zur Verfügung gestellt werden können. Dies ist mit der Etablierung und internationalen Verankerung der Zeitschrift für Japanisches Recht / Journal of Japanese Lawgelungen, die am Hamburger Institut herausgegeben wird. Neben der Erarbeitung der hand­werklichen Standards für den Umgang mit japanischen Primärquellen, namentlich der komplexen Transkription und Übersetzung japanischer Fach­termini, die inzwischen als deutscher Standard gelten, bedarf eine profunde Analyse des gelebten japanischen Rechts wegen seiner spezifischen Kontextualität und seinen divergierenden Prägungen des Aufbaus eines inter­nationalen Netzwerkes von Experten aus unterschiedlichen Rechtstraditionen als Autoren (Zusammenarbeit). Auch dieses ist gelungen und hat sich inzwischen in zahlreichen Sympo­sien im Rahmen der rechtsvergleichenden Triade Europa – Japan – USA bewährt (Veranstaltungen). Wissenschaft und Praxis sind für Informationen zum japanischen Recht in gleicher Weise auf die Möglichkeit angewiesen, auf eine komprimierte westliche Darstellung dieses Rechts oder zumindest wesentlicher Teile desselben zurückgreifen zu können. Eine solche Zugriffsmöglichkeit gibt das am Institut erstellte knapp 2.000 Seiten starke Handbuch Japanisches Handels- und Wirtschaftsrecht, das 2011 erschienen ist.
Neben der Schaffung des Zugangs zum Recht Japans gilt es in einem zweiten Schritt dessen Erkenntnisse für die Rechtsvergleichung fruchtbar zu machen. Dies geschieht etwa, indem das japanische Recht immer häufiger in die rechtsvergleichenden Vorarbeiten für den deutschen Gesetzgeber mit einbezogen wird. Ein Beispiel ist der umfassende Beitrag zu Japan für das Großgutachten des Instituts zur Mediation, in dem die historisch gewachsenen Erfahrungen Japans mit verschiedenen Formen der außergerichtlichen Streitbeilegung eine herausgehobene Rolle spielten.

Herausforderungen

Die Rechtsvergleichung mit außereuropäischen Ländern ist voller Tücken. Sie verlangt in besonderem Maße, der jeweiligen kulturspezifischen Prägung wie auch der gesellschaftlich-institutionellen Dynamik dieser Länder Rechnung zu tragen. Die vergleichende Arbeit mit dem japanischen Recht ist ein Musterbeispiel dafür. Sie erfordert – noch stärker als bei ernsthaft betriebener Rechtsvergleichung ohnehin notwendig – über das Instrumentarium der klassischen funktionalen Rechts­ver­gleichung hinaus einen erweiterten kulturver­gleichend institu­tionen­ökonomischen Ansatz in der Vergleichung, der kulturanthropologische, soziologische, ökonomische und auch politische Aspekte mit einbezieht; kurz, eine genuine Rechtsvergleichung im Sinne Ernst Rabels. Namentlich gilt es, die Diskrepanz zwischen dem Recht und außerrechtlichen Regelungsmechanismen zu erfassen und transparent zu machen. Dabei ist der vermeintlichen Attraktivität und trügerischen Sicherheit einer Rechtsvergleichung zu widerstehen, die normbezogen argumentierend Parallelen behauptet, wo Unterschiede die Rechtswirklichkeit prägen. Ein Beispiel hierfür ist die verbreitete, aber unzutreffende Annahme einer fortdauernden Übereinstimmung zwischen den europäischen bzw. amerikanischen Mutterrechten und dem in Japan rezipierten und weiterentwickelten Recht.