Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht

Private Law Gazette
Onlineausgabe Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts


Frauen im Recht.
Warum sich unsere Rechtswissenschaftlerinnen für ihre Forschung begeistern

8. März 2019 – Als Marie Alwine Ottilie Raschke (1850-1935) den Vorabdruck des Bürgerlichen Gesetzbuchs sah, war ihr Ziel klar: Sie wollte sich für die Gleichstellung der Frau im Eherecht einsetzen. Dazu widmete sie sich zunächst im Selbststudium dem Familienrecht. Ab 1896 studierte sie als Gasthörerin in Berlin Rechtswissenschaften und promovierte 1899 in Bern. Sie zählt damit zu den ersten deutschen Juristinnen überhaupt.

Was sind die Ziele unserer Wissenschaftlerinnen? Anlässlich des Internationalen Frauentages erzählen acht Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht, warum sie sich für rechtswissenschaftliche Forschung begeistern:

 


Dr. Lena-Maria Möller
Wissenschaftliche Referentin in der Forschungsgruppe Das Recht Gottes im Wandel –
Rechtsvergleichung im Familien- und Erbrecht islamischer Länder


Recht und Gesellschaft stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Diese gegenseitige Prägung gilt insbesondere auch für das Familienrecht. An meiner Arbeit als Rechtswissenschaftlerin begeistert mich, die enge Beziehung von Recht und Gesellschaft rechtsvergleichend und länderübergreifend begleiten und erforschen zu können. Der Blick auf andere Länder und andere Rechtskreise erweitert dabei nicht nur den eigenen Erkenntnishorizont, sondern schärft ebenso das Verständnis für das „eigene“ Recht.

Dr. Lena-Maria Möller
 

 

Brooke Adele Marshall
Wissenschaftliche Referentin, Länderreferate Australien und Neuseeland


Als Rechtswissenschaftlerin trete ich für eine offene und gerechte Gesellschaft ein. Ich habe mich auf Internationales Privatrecht spezialisiert, weil es klarer, überzeugender Regeln bedarf, die das ermöglichen. Diese Regeln legen fest, welches Recht anwendbar ist und welches Gericht international zuständig sein sollte. Sie klären zudem, wie Entscheidungen, die in einem Land getroffen wurden, in einem anderen Land zu behandeln sind. Da Rechtsordnungen oft keine einheitlichen Regeln erlassen, bietet die Analyse mit einer rechtsvergleichenden Ansicht das überzeugendste Prädikat für den Fortschritt. Die Frage, warum Regeln unterschiedlich sind, fördert Verständnis, Toleranz und sogar Empfänglichkeit, was unweigerlich zu Harmonisierungsmöglichkeiten führt. Ehrliche Rechtsvergleichung bedeutet, sich von der vermeintlichen Überlegenheit zu distanzieren, die wir so oft und so irrtümlich unserem „heimischen“ Rechtssystem zuschreiben. Gleichermaßen setzt es eine intime Kenntnis anderer Sprachen und Rechtskulturen voraus, sowie eine aktive Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen weltweit. Dies sind u.a. die Aspekte des wissenschaftlichen Lebens, welche ich besonders schätze.

Brooke Adele Marshall

 


Christine Toman
Wissenschaftliche Assistentin

Mich interessiert der Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Recht. Ich möchte verstehen, was Recht zur Lösung globaler Probleme beitragen kann.

Christine Toman



 

 


Dr. Dörthe Engelcke
Wissenschaftliche Referentin in der Forschungsgruppe Das Recht Gottes im Wandel –
Rechtsvergleichung im Familien- und Erbrecht islamischer Länder


Mich fasziniert vor allem der Prozess der Arbeit. Man hat verschiedene Einzelteile und beginnt langsam, diese wie ein Puzzle zusammenzusetzen. Was einem am Anfang sonderbar vorkommt, wird im Laufe dieses Prozesses klarer, weil dem menschlichen Handeln immer eine gewisse Logik zugrunde liegt. Vor allem mag ich es, dass meine Arbeit es mir immer wieder ermöglicht, ins Ausland zu gehen und mit sehr unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen. Rechtsvergleichend zu arbeiten erlaubt mir, Dinge in Beziehung zueinander zu setzen, anstatt einen Untersuchungsgegenstand als exotisch darzustellen.

Dr. Dörthe Engelcke
 

 


Jennifer Trinks
Wissenschaftliche Assistentin

Mit meiner Arbeit möchte ich dazu beitragen, unser Verständnis von Rechtsregeln und deren Auswirkungen auf unseren Alltag zu verbessern. Gerade in der Forschung haben wir die Gelegenheit, offene Fragen mit verschiedenen Methoden zu untersuchen und uns mit Kollegen aus verschiedenen Disziplinen und Ländern auszutauschen. Besonders bereichernd ist für mich dabei die Rechtsvergleichung, die uns zeigt, wie andere Länder mit bestimmten Sachproblemen und Rechtsfragen umgehen, und uns an deren Erfahrungen mit verschiedenen Regelungsmodellen teilhaben lässt.

Jennifer Trinks
 

 

Priv.-Doz. Dr. Nadjma Yassari, LL.M. (London)
Leiterin der Forschungsgruppe Das Recht Gottes im Wandel – Rechtsvergleichung im Familien- und Erbrecht islamischer Länder

Als Rechtswissenschaftlerin in der Grundlagenforschung kann ich mich mit Rechtsfragen, die mich schon immer interessiert haben, längerfristig, vertieft und aus den verschiedensten Perspektiven beschäftigen. Da meine Forschung rechtsvergleichend angelegt ist, gleicht sie oft einer Expedition zu unerforschten Ufern, insbesondere bei Rechtsfragen zum islamischen Familien- und Erbrecht. Ich begegne dort oft anderen Rechtsgedanken und -wertungen, die mir nicht nur einen anderen Blick auf das eigene Recht erlauben, sondern auch dazu ermutigen, Recht neu zu denken.

Priv.-Doz. Dr. Nadjma Yassari

 

 


Dr. Denise Wiedemann, LL.M. (Lissabon)
Wissenschaftliche Referentin, Länderreferat Lateinamerika


Ich bin Wissenschaftlerin geworden, weil mir die Arbeit den perfekten Mix bietet: Ich kann mich tagelang zwischen Büchern vergraben und Rechtsfragen auf den Grund gehen. Gleichzeitig holen mich Lehrveranstaltungen regelmäßig aus dem Büro und geben mir Gelegenheit zu einem Austausch mit Studierenden, der mir viel Spaß macht und mich immer wieder aufs Neue inspiriert. Schließlich empfinde ich auch die staubigen Gerichtsakten, die ich als Lateinamerikareferentin regelmäßig begutachte, als eine große, praxisrelevante Bereicherung meiner Arbeit.

Dr. Denise Wiedemann
 

 


Dorothée Perrouin-Verbe
Wissenschaftliche Assistentin


Ich interessiere mich für Rechtsvergleichung, seit ich 2010 über das Erasmus-Programm an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster studiert habe und herausfand, dass das deutsche und das französische Recht mit juristischen Problemen teilweise sehr unterschiedlich umgehen. So zum Beispiel mit den Grenzen zwischen Vertrags- und Deliktsrecht, womit ich mich in meinem Dissertationsprojekt beschäftige. Dazu gehört im französischen Recht die Nichtkumulierungsregel („non-cumul“) bei Schadenersatz aufgrund einer Vertragsverletzung und Schadenersatz bei unerlaubten Handlungen – eine Regelung, die das deutsche Recht nicht kennt. Um meine Forschung erfolgreich durchzuführen, untersuche ich in beiden Rechtsordnungen Situationen, in denen ein Konflikt zwischen beiden Arten von Schadenersatzansprüchen entstehen kann.

Dorothée Perrouin-Verbe