Das Zusammenspiel der Key Player des Gesellschaftsrechts

2. Oktober 2019

Wer gibt im deutschen Gesellschaftsrecht den Takt vor? Wie bestimmen die Schlüsselfiguren den Fachdiskurs? Von der Einhaltung welcher Spielregeln ist das Gedeihen dieser Disziplin abhängig? Diesen Leitfragen widmet Holger Fleischer, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, einen Aufsatz, der in der Neuen Zeitschrift für Gesellschaftsrecht 2019, Heft 24 erschienen ist. Unter dem Titel „Gesellschaftsrechts-Honoratioren: Schlüsselfiguren im Gesellschaftsrecht und ihr diskursives Zusammenwirken“ regt er aus der Sicht eines Diskursteilnehmers zur Selbstreflexion an.

In loser Anlehnung an die von Max Weber geprägte Bezeichnung Rechtshonoratioren arbeitet Fleischer mit dem Begriff Gesellschaftsrechts-Honoratioren, um die Rahmenbedingungen gesellschaftsrechtlicher Entwicklungsprozesse zu erkunden. Er tut dies in zwei Schritten, beginnend mit der Vorstellung der prägenden Akteure des modernen Gesellschaftsrechts und ihres kooperativen Zusammenwirkens: Professoren, Bundesrichter, Spitzenanwälte und -notare sowie Ministerialreferenten. Dabei stellt Fleischer fest, dass wenngleich führende Lehrbücher von Frauen verfasst wurden, diese in allen Kategorien unterrepräsentiert sind. Insgesamt charakterisiert er den „German Approach“ im Gesellschaftsrecht als eine vom intensiven Austausch aller Beteiligten geprägte Diskurskultur.

Der differenzierten Darstellung dieses Mikrokosmos lässt Fleischer eine vertiefende Betrachtung typischer Diskursverläufe de lege lata und de lege ferenda folgen. Darin spricht er sich für mehr neue Theorieentwürfe aus, mit denen einerseits die Rechtsprechung besser begleitet und andererseits Themen jenseits unmittelbar für die Praxis verwertbarer Bereiche beleuchtet werden könnten. Außerdem beschreibt er den heute in Deutschland etablierten Modus gesellschaftsrechtlicher Gesetzgebung und die tragende Rolle, die dabei dem Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz zukommt.

Fleischer schließt mit einem Ausblick auf weitere Fragestellungen. Sie betreffen Qualitätskriterien gesellschaftsrechtlicher Spruchpraxis und Forschung, die Ausrichtung bestehender Gesprächszirkel und Literaturgattungen sowie die zunehmenden Einwirkungen des Unionsrechts. Ihre Vertiefung verspricht nicht nur neue Einsichten, sondern auch eine informative Hintergrundfolie, vor der die zukünftige Ausgestaltung des Fachdiskurses diskutiert werden kann.

Holger Fleischer, Gesellschaftsrechts-Honoratioren: Schlüsselfiguren im Gesellschaftsrecht und ihr diskursives Zusammenwirken, NZG 2019, 921-930

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