Beeinträchtigungen der Entscheidungsfreiheit

Aus Anlaß des 70. Geburtstages von Hein Kötz.

MPI für Privatrecht, Hamburg 18.11.2005

Mit einem Symposium zum Thema "Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit bei Vertragsschluss" würdigte das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht am 18. und 19. November 2005 die Tätigkeit des ehemaligen Direktors Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hein Kötz, der am 14. November 2005 seinen siebzigsten Geburtstag feierte. Hein Kötz wurde 1935 in Schneidemühl geboren und wuchs in Hamburg auf, wo er 1962 promovierte und nach einem Graduiertenstudium an der Universität of Michigan Ann Arbor 1970 habilitierte. Er folgte 1971 einem Ruf an die neu gegründete Universität Konstanz. Von 1978 bis 2000 war Kötz Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht. Ferner war er von 1973 bis 2001 Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Rechtsvergleichung, von 1981 bis 1984 Mitglied des Wissenschaftsrates und von 1986 bis 1989 Vizepräsident der DFG. Der geisteswissenschaftlichen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft saß er von 1988 bis 1991 vor.

Seine Tätigkeit in der Schuldrechtskommission des Bundesministeriums der Justiz, der er von 1986 bis 1991 angehörte, hatte erheblichen Einfluss auf die Schuldrechtsmodernisierung. Hohe Ämter und Auszeichnungen im Bereich der Rechtswissenschaft markieren Kötz Werdegang: etliche Gastprofessuren, Ehrenpromotionen in Uppsala, Maastricht und Utrecht, die Aufnahme in nationale und internationale Akademien bis hin zur Wahl zum Präsidenten der International Association of Legal Science im Jahr 2000.

Als Gründungspräsident der Bucerius Law School in Hamburg konnte er seine durch Auslandserfahrungen geprägten Vorstellungen einer zeitgemäßen deutschen Juristenausbildung verwirklichen. Die internationale und interdisziplinäre Ausrichtung prägte die Tätigkeit von Hein Kötz. Von besonderer Bedeutung ist das in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Konrad Zweigert verfasste und erstmals 1969 erschienene Werk "Einführung in die Rechtsvergleichung", das weltweit zu einem Standardwerk für die Disziplin der Rechtsvergleichung geworden ist. Darauf baute das 1996 erschienene "Europäisches Vertragsrecht" auf. Die ökonomische Analyse des Rechts machte Kötz in seinem Lehrbuch zum Deliktsrecht sowie der Kommentierung des AGB-Gesetzes im Münchner-Kommentar fruchtbar. Eine Sammlung von Veröffentlichungen des Jubilars, die diesem besonders am Herzen liegen, finden sich in dem 2005 erschienenen Werk "Undogmatisches", das anlässlich des Symposiums feierlich überreicht wurde.

Mit dem Thema des Symposiums "Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit bei Vertragsschluss" ging eine Würdigung der Tätigkeit von Hein Kötz einher, denn der Schwerpunkt des Symposiums lag gerade auf der methodenpluralistischen Betrachtung des Gebiets des europäischen Vertragsrechts. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Reinhard Zimmermann hob dies in seiner Begrüßung des Jubilars und der aus aller Welt angereisten Gäste hervor. Die Troika error, metus und dolus sei in den verschiedenen Rechtsordnungen unterschiedlich ausgestaltet, es ließen sich aber, wie schon Hein Kötz in seinem Werk zum europäischen Vertragsrecht feststellte, "gemeinsame Grundlinien einer europäischen Rechtsentwicklung erkennen".

In seinem Schlusswort dankte der Jubilar den Referenten und Teilnehmern für die angeregte und durch Methodenvielfalt geprägte Diskussion. Dabei hob Kötz hervor, dass, als er in dem Alter der Referenten war, insbesondere die Argumente der Rechtsvergleichung und der ökonomischen Analyse in der rechtswissenschaftlichen Diskussion nur im Ausnahmefall zulässig gewesen seien. Insofern sind die Beiträge des Symposiums, die in einem bei Mohr Siebeck verlegten Band erscheinen werden, nicht zuletzt Ausdruck der Eigenschaft des Jubilars als "Bannerträger[s] einer wertenden und funktionalen Rechtsvergleichung, die von Deutschland aus ihren Siegeszug in der ganzen Welt angetreten hat." (Basedow, NJW 2005, S. 3341 [3342]).

Datum der Veröffentlichung: 18.11.2005

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  • Geändert am: 08.08.2011
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