Forum für Internationales Sportrecht
Der Sport gehört zu den prägenden Merkmalen des modernen Lebens. Allein in Deutschland sind etwa 27 Millionen Menschen in über 87.000 Vereinen organisiert. Durch seine Kampagne "Sport tut Deutschland gut" versucht der Deutsche Sportbund, die Öffentlichkeit für die gesellschafts- und sozialpolitische Bedeutung des organisierten Sports zu sensibilisieren. Die Europäische Union hat durch einen gemeinsamen Beschluss von Rat und Parlament das Jahr 2004 zum "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" ausgerufen. Dadurch soll auf die besondere Bedeutung des Sports im Bereich der Bildung aufmerksam gemacht werden. Es geht um die Vermittlung von Werten wie Teamgeist, Solidarität und Fairness. Schließlich erhoffen sich die Vereinten Nationen vom Sport einen Beitrag zur Schaffung "einer friedlichen und besseren Welt". Ihre Vollversammlung hat deshalb das Jahr 2005 zum Internationalen Jahr des Sports erklärt.Gleichzeitig ist durch die Professionalisierung und das damit verbundene weltweite Medieninteresse der Sport zu einem wichtigen Faktor des Wirtschaftslebens geworden, in dem beträchtliche Werte und Investitionen auf dem Spiel stehen. Für die Saison 2000/01 zahlte Leo Kirch für die deutschen Fußballsenderechte 750 Millionen DM. Die Olympischen Spiele von Salt Lake City kosteten 1,32 Milliarden US-Dollar. Diese Ökonomisierung des Sports gefährdet seine Autonomie. Zugleich trägt sie bei zu einer immer stärkeren Verrechtlichung. Denn auf den gewerblichen Sport und die an seiner Organisation und Vermarktung Beteiligten sind die für alle geltenden Gesetze anwendbar: von den allgemeinen Vorgaben der Verfassung bis hin zu den Regelungen des Wirtschaftsrechts. Von immer größerer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das europäische Gemeinschaftsrecht. So prüft, um nur zwei Themenbereiche zu nennen, die in das Fadenkreuz des europäischen Wettbewerbsrechts geraten sind, die Kommission der EU momentan den Sportrechteverkauf an neue Medien und die staatliche Unterstützung für den italienischen Profifußball. Die Regelung des Kartenvorverkaufs für die Olympischen Spiele in Athen hat sie auf Anfrage der Organisatoren soeben gebilligt.
Das Sportrecht ist deshalb eine ebenso wichtige und aktuelle wie spannende Materie. Ihr besonderer Reiz ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass hier Fragestellungen aus so gut wie allen juristischen Disziplinen ineinander greifen; dazu gehören etwa Vereinsrecht, Arbeitsrecht, Schadensersatzrecht, Gesellschaftsrecht, Wirtschaftsrecht, Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht, Strafrecht und Europarecht. Es handelt sich mithin um eine typische Querschnittsmaterie. Sie führt national wie international zu einer immer verzweigteren Rechtsprechung und Literatur. Die Folge ist nicht selten ein Informationsdefizit. Zugleich besteht ein Bedürfnis nach interdisziplinärer Diskussion. Dies waren bereits in der Vergangenheit die Gründe für eine Reihe wichtiger Initiativen im Bereich des Sportrechts, darunter insbesondere die Etablierung des Konstanzer Arbeitskreises für Sportrecht e.V., die Einrichtung eines Lehrstuhls für Sportrecht an der Universität Bayreuth und die Gründung der Zeitschrift für Sport und Recht (SpuRt). Diese Initiativen sind weitgehend im süddeutschen Bereich angesiedelt.
Die hier vorgestellte Initiative bietet in Norddeutschland ein besonders auf das europäische und internationale Sportrecht ausgerichtetes Gesprächs- und Informationsforum. Etwa ein- bis zweimal im Jahr sollen Vortragsveranstaltungen und Symposien veranstaltet werden; hierfür wird eine Einladungsliste angelegt, in die sich jeder praktisch oder wissenschaftlich tätige Jurist aufnehmen lassen kann, der an Fragen des Sportrechts interessiert ist. Weiterhin wird auf dieser Homepage eine kontinuierlich aktualisierte Bibliographie zum internationalen Sportrecht zusammengestellt, die auf einer Auswertung der vom Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht bezogenen Zeitschriften und Monographien beruht. Diese Bibliographie folgt denselben Sachkategorien, die sich für das deutsche Sportrecht in www.sportrecht.org (Lehrstuhl für Sportrecht an der Universität Bayreuth) finden. Ferner wird die Homepage eine Sammlung von Links zu relevanten Informationsseiten enthalten, die sich mit dem nationalen und internationalen Sportrecht befassen.
Der Anstoß für diese Initiative stammt von Professor Dr. Ingo von Münch, emeritierter Professor für öffentliches Recht an der Universität Hamburg. Mitgetragen wird sie vom Staatsrat in der Justizbehörde, und von zwei Hamburger Anwälten, Dr. Georg Engelbrecht und Dr. Mario Krogmann, die im Bereich des Sportrechts tätig sind. Aus dem Institut sind beteiligt: Florian Bruder, Professor Dr. Ernst-Joachim Mestmäcker, Dr. Axel Metzger, und Dr. Wolfgang Wurmnest, ferner, als ehemalige Mitarbeiter des Instituts, Wenzel Bulst, Christian Eckl, Jan Kleinheisterkamp, Dr. Jens Scherpe, Dr. Heike Schweitzer, Dr. Jan Tolkmitt, Dr. Stephan Wagner und Heinz Weidt. Zudem bestehen Verbindungen zur Bucerius Law School und zu Mitarbeitern der Heidelberger, Freiburger und Münchner Max-Planck-Institute. Die Internetseite wird zunächst, aus Kostengründen, eine Unterseite der Homepage des Hamburger Max-Planck-Instituts bilden und von Mitarbeitern des Instituts betreut werden. Für die Veranstaltungen des Forums steht ebenfalls das Institut zur Verfügung.
Hamburg, im Februar 2004
Reinhard Zimmermann

